27.07.2014

Wer macht das Rennen? Kartoffel, Kirsche oder Haushaltszucker?

Vorab, auch wenn es die meisten Diabetiker bereits "wissen" bzw. wissen sollten: Das Grundgerüst aller Kohlenhydrate in der Nahrung bilden Einfachzucker, dazu zählen Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker) und Galactose (Schleimzucker). Je nachdem, wie sie sich miteinander "verbünden" ;), erhält  man verschiedene Zweifach- oder Mehrfachzucker mit unterschiedlichen Blutzuckerauswirkungen.  Jede dieser verbündeten "Zucker-Cliquen" heckt ihren eigenen "Schabernack" aus.

Der Gewinner des Rennens: die
dicke Kartoffel :)
Nehmen wir nun eine Kartoffel und verspeisen diese. Unter gleichen Startvoraussetzungen, naschen wir die gleiche BE-Menge Kirschen und die gleiche BE-Menge an Haushaltszucker. Wer gewinnt das Rennen? Wer erhöht schneller und stärker den Blutzucker?

Sollte es nicht eigentlich der Haushaltszucker sein? Fehlanzeige! Man kann sich wohl stundenlang darüber streiten, aber es gibt eine einfache Begründung, warum ausgerechnet die dicke Kartoffel ;) den ersten Platz im Wettrennen belegt und den Blutzucker am stärksten und schnellsten erhöht: Kartoffeln bestehen aus Stärke. Die Stärke aus Kartoffeln besteht nur aus Glukosemolekülen. Die Aufspaltung beginnt im Mund (schmecken süß nach längeren Kauen). Der Rest der Stärke wird dann im Dünndarm gespalten, somit folgt ein schneller und starker Anstieg des Blutzuckers.

Das komplexe Kohlenhydrat Stärke bewirkt eine fast so starke Blutzuckerrreaktion wie Traubenzucker (= reine Glukose), welcher der schnellste Läufer, sprich der Kenianer ;), unter den Zuckerarten ist. Haushaltszucker (Saccharose) hingegen besteht aus einem Teil Glukose und einem Teil Fruktose. Kirschen, bzw. Früchte generell, bestehen aus Glukose, Fruktose und Saccharose (=Haushaltszucker). (Und nur zur Vervollständigung: Milchzucker besteht aus einem Teil Glukose und einem Teil Galactose.) Mit Fruktose und auch Galactose können unsere Muskel- und Nervenzellen grundsätzlich erst mal nichts anfangen. Die Leber fischt sie aus der Blutbahn und baut sie mit der Zeit (!) zu Glukose um.

Ein kleines Stück Käse zwischendurch ;)
Somit ist klar, warum Haushaltszucker (Saccharose) mit seinem Fruktoseanteil langsamer ins Blut geht/einen langsameren Blutzuckeranstieg bewirkt als das komplexe Kohlenhydrat Stärke, wie es in Kartoffeln und Getreideprodukten zu finden ist.

Einige Laufveranstalter reichen mittlerweile gesalzene Kartoffeln als Verpflegung. Klar, warum Diabetiker das klasse findet/finden sollte ;) und diese geschnippelten Früchten vorzieht/vorziehen sollte, wenn die Hypo droht. Der erste Platz, wer hätte das gedacht, geht also an die dicke Kartoffel. Herzlichen Glückwunsch!

PS: Nüsse, Eier, Fleisch und Käse bewirken nur eine niedrige Blutzuckerreaktion und haben sich leider nicht einmal für diesen Wettkampf qualifizieren können ;). Und Traubenzucker wäre natürlich mit großem Abstand der Gewinner, wenn er am Wettkampf teilgenommen hätte. Auf Grund seines schlechten Geschmacks wurde ihm jedoch die Teilnahme verweigert ;).


PPS: Natürlich sind die Auswirkungen von Lebensmitteln auf den Blutzucker (Glykämischer Index/Glykämische Last) auch von anderen Einflussfaktoren wie Quellzustand der Stärke, Art der physikalischen Einbindung der Stärke, vom Ballaststoffgehalt, vom Zucker-, Säure- und Fettgehalt abhängig.

22.07.2014

Gänsehautentzündung beim Mukoviszidose-Sependenlauf in Hannover

... oder wie wichtig Gummibändchen für die Gesundheit sind!

Am Sonntag um 11 Uhr war Startschuss des Mukoviszidose-Spendenlaufs in Hannover. Ich habe meinen Mann und mich dafür angemeldet und mit meinem Blog einen kleine Betrag gespendet. Die Spenden, die bei dieser Veranstaltung erlaufen werden, gehen an das "Haus Schutzengel" vom Mukoviszidose e.V.

Hendrik und ich waren das erste Mal beim Muko-Spendenlauf dabei und bestimmt nicht das letzte Mal – so viel steht fest! Aber von vorne: Als wir dort ankamen, trafen wir wie fast erwartet ;) auf die gesammelte Mannschaft der OG-Hannover (laufen-aktuell.de), mit denen ich schon das ein oder andere Mal den ein oder anderen Marathon gelaufen bin.

Insa, die Organisatorin/Veralstalterin, begrüßte uns alle herzlichst. Ich hatte sie das erste Mal "live" getroffen. Im Vorfeld hatten wir Mail-/Facebook-Kontakt. Insa hat Mukoviszidose und ist eine unglaublich starke, lebensbejahende Person. Mukoviszidose ist eine komplexe und tückische Krankheit. Jeder Dritte, der an dieser Krankheit stirbt, ist noch jünger als 18 Jahre! Nebenerkrankungen gibt es zu Hauf,  eine spezielle Form des Diabetes ist "nur" eine davon. Wer mehr über diese Krankheit wissen will, hier eine verständliche(!) Definition: Was ist Mukoviszidose? Insa selbst hatte viel Glück im Unglück, da sie vor kurzem endlich eine passende Spenderlunge bekommen konnte (Wartezeit beträgt derzeit im Schnitt etwa zwei Jahre). Ihrem (natürlich unbekannten) Spender dankte sie bei Ihrer Begrüßung der Teilnehmer des Muko-Spendenlaufes ganz besonders.

Wir alle hatten wohl Gänsehaut nach ihren berührenden Worten. Mit nassen Augen liefen wir nach Startschuss wie wild los, um Gummibändchen zu sammeln. Gummibändchen? Letztere bekam man pro 400-Meter-Runde um den Sportplatz (pro Runde eins). Je Gummiband, bzw. je gelaufene Runde wird dann vom jeweiligen Sponsor des Teilnehmers ein gewisser Betrag an das "Haus Schutzengel" vom Mukoviszidose e.V. gespendet.
Impressionen vom Mukoviszidose-Spendenlauf Hannover: jedes Gummiband zählt!
Alle Teilnehmer haben trotz Temperaturen von 32 Grad und prallen Sonnenschein natürlich alles gegeben, um mindestens so viele Bändchen zu erlaufen, bis der Arm zu schwer wurde, sie zu tragen ;). Wir hatten Zeit von 11-15 Uhr, auch Pausen waren erlaubt. Jeder eben so, wie er kann. Insa selbst konnte auch zwei Ehrenrunden um den Sportplatz drehen, dank Spenderlunge! Das ist Wahnsinn, denn noch bis vor Kurzem war es ihr nicht einmal möglich, allein den Geschirrspüler auszuräumen, wie sie in diesem sehenswerten NDR-Beitrag berichtet: Neues Leben mit einer Lunge (Insa)

Der Lauf an sich war super organisiert, ausreichend Verpflegung, Gaststätte. saubere Toiletten, Hüpfburg für die Kleinen (oder auch Großen ;)), Live-Musik und natürlich war für den Fall der Fälle auch der Rettungsdienst vor Ort. Für mich war natürlich super praktisch, dass ich Blutzuckermessgerät und Co einfach am Rand ablegen konnte und alle 400 Meter Gelegenheit hatte, Blutzucker zu messen, Energieriegel zu essen oder Insulin zu spritzen. Okay, genutzt habe ich die Gelegenheit dann doch nicht ganz so regelmäßig ;). Schließlich habe ich jetzt ja meinen neuen Schatz, mein CGMS :). Unterzuckerungen konnte ich deshalb auch einfach abfangen, bis auf eine, weil ich das CGMS eine Stunde zwischendurch mal nicht im Blick hatte ;). Die hatte ich glücklicherweise mit viel Energieriegel-Nachschub schnell wieder im Griff.

In jedem Fall bin ich mit 71 gesammelten Gummibändchen letztendlich ganz zufrieden, da wir uns bereits 14:15 Uhr auf den Heimweg machten muss, aber ganz stolz und zufrieden, etwas Gutes getan zu haben! Insa wünsche ich nur das Beste, sie ist so eine verdammt liebenswerte Person und ich hoffe, dass sie mit ihrer Spenderlunge ein langes, glückliches Leben führen kann und mindestens 100 Jahre wird :)! Ich bleibe natürlich mit ihr in Kontakt und wer weiß, vielleicht hecken wir zwei ja mal was gemeinsam aus ;)?

Abschließend sei eins noch erwähnt: Wer Organe spenden kann/darf, sollte die Zustimmung zu einer Spende geben!

20.07.2014

Der Hypo einen Riegel vorschieben

Unterzuckerungen während eines Laufes kommen gar nicht gut, okay, auch sonst nicht. Aber bei einem sportlichen Wettkampf bleibt einem dann häufig keine andere Wahl, als diesen abzubrechen. Bis der Traubenzucker nämlich wirkt, während man noch gleichzeitig läuft, ist schon Weihnachten... vorbei. Zumal es "laufend" auch nur ziemlich schleppend bis gar nicht voran geht, wenn der Blutzucker zu niedrig ist ;).

Aber Moment, Traubenzucker? Nehmt ihr wirklich Traubenzucker bei einer Unterzuckerung? Traubenzucker mögen wir Diabetiker ja bekanntlich alle nicht. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Den wenigen Ausnahmen gehöre ich allerdings nicht an. Was geht aber mindestens genauso schnell ins Blut wie Traubenzucker? Sicherlich Traubenzuckerlösung, aber die kann ich noch weniger ausstehen. "Gerne" greife ich zu Jogger Gums (von Katjes), die passen ja auch wunderbar zum Laufgeschehen ;), belasten den Magen nicht und erfüllen eben ihren Zweck. Schnell gibt es dann noch ein bisschen Flüssigkeit hinter her, dann „flutscht“ es besser durch ;) und der Blutzucker ist blitzschnell wieder im Normbereich.

Diese Jogger Gums beinhalten auch Traubenzucker, schmeckt man natürlich nicht raus und sie sind lecker, zumindest ganz ok, also geradeso zu ertragen im Notfall. Eigentlich weiß ich gar nicht, wonach die schmecken... na ja und wirklich nährstoffreich sind sie auch nicht. Aber was ist die bessere Alternative? Ich habe da was Gutes für mich gefunden: Energieriegel, am besten selbst "gebacken". Damit sie nach meinem Geschmack sind und ich weiß was drin steckt. Obwohl, das weiß man trotzdem nie so wirklich. In jedem Falls sind die Hyporiegel schnell zubereitet, optimal für den Sport, liefern Energie für längere Sporteinheiten, wie etwa einen Marathon und bekommen mir persönlich richtig gut (ist ja immer individuell).

Falls ihr der Hypo als auch einen Riegel vorschieben wollt ;), dann habe ich hier das passende Rezept für euch, wohl bekomms :):
Der Hypo einen Riegel vorschieben: Zutaten für die Energieriegel
  • 60 Gramm Whey (gibt es in den verschiedensten Geschmacksrichtungen)
  • 40 Gramm Haferflocken
  • 20 Gramm Kokosraspel (austauschbar, beispielsweise Puffreis, Erdnüsse, Rosinen, zerhakte Datteln ...)
  • 20 Gramm Leinsamen (austauschbar, beispielsweise gegen Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Cornflakes...)
  • 20 Gramm Mandelmus (austauschbar, beispielsweise gegen Erdnussbutter, Maronen-Vanille-Mus (njammi)...)
  • 3 - 4 Esslöffel Wasser (lieber zu wenig als zu viel)
  • 2 Teelöffel Honig
  • Einen Schuss Vanille Extrakt (austauschbar oder ergänzbar, beispielsweise durch Zimt, Curry oder Chilli)
Mischen und vermengen. Die Masse dann etwa dreißig Minuten in den Kühlschrank verfrachten. Danach zu Riegeln formen oder als Energyballs zu kleinen Kugeln verarbeiten. FERTIG! Man muss das Rezept nicht so genau nehmen, kann viel experimentieren und es kann schon eine Zeit dauern, bis man den Dreh raus hat.
Der Hypo einen Riegel vorschieben: natürlich selbst zubereitet
Alle Zutaten sind quasi austauschbar. Folgende Geschmacksrichtungen der Riegel konnten sich als  "Renner" behaupten:
  • Erdnuss süß-salzig,
  • Weiße Schokolade-Banane-Kokos-Curry: Hierbei muss man die weiße Schoki vorher schmelzen und dann gleich mit den Zutaten vermengen.
  • Pflaume-Zimt und
  • Chilli-Puffreis
GUTEN HUNGER! Okay, ich gebe zu, das man im schlimmsten Hypo-Fall trotzdem den Wettkampf abbrechen muss, aber wenigstens hat man dann was Leckeres im Magen ;).

Heute konnte ich der Hypo beim Mukoviszidose-Lauf mit diesem Rezept auch wieder mal einen Riegel vorschieben, denn diese überraschte mich gleich zweimal, bei 31 Grad kein Wunder. Über diesen besonderen Lauf, den ich im Namen meines Blogs unterstützt habe, werde ich übrigens in Kürze ausführlich berichten.

17.07.2014

Guten Tag Morbus Crohn!

Welch Ehre, Sie kennen lernen zu dürfen... NICHT! Letzte Woche Donnerstag gab es für mich einen Schlag ins Gesicht. Diagnose: Morbus Crohn. Aua! Ja eigentlich bin ich ein Beißer, kann gut was wegstecken, aber das hat gesessen. Nun mache ich mir wieder einmal Gedanken, warum mein Immunsystem nicht intakt ist, warum mein Körper immer wieder aufs Neue Selbstzerstörungsversuche unternimmt. Wie blöd muss man sein, eigen von fremd nicht unterscheiden zu können? Wie viele Eigentore will mein Körper denn noch schießen? Mir gehen ähnliche Gedanken durch den Kopf, wie damals vor 18 Jahren bei der Diagnose "Diabetes mellitus Typ 1", denn Morbus Crohn ist auch eine chronische Autoimmunerkrankung, wenn sie auch den Darm betrifft und nicht die Bauchspeicheldrüse.


"Darm mit Charme"...sehr empfehelnswertes Buch
 
Jetzt wo der Diabetes 18 Jahre alt wird, quasi erwachsen ist, sollte das aber nicht heißen, dass ich mich um ihn ja jetzt nicht mehr kümmern muss und nun Platz für nen neuen Unhold ist. Nun gut, letztendlich bin ich eigentlich fast schon froh, dass nun endlich eine Diagnose vorliegt. Jahrelang haben mich schon Schübe mit Magen-/Darmbeschwerden, Übelkeit und Krämpfen begleitet und die Vermutung lag bereits schon einmal nahe, dass ich eventuell Morbus Crohn habe. Allerdings wurde das ganze mit einem Reizmagen und Reizdarm abgetan. Nun weiß ich, was wirklich dahintersteckt, kann was dagegen tun. Hoffe ich doch! Ich weiß noch nicht, was mich genau erwartet. Erst mal eine Darmsanierung, dann eine Ernährungsumstellung: Gluten und Laktose, Tschüss! Ihr in meinem Körper? Nie wieder! Jedenfalls vorläufig. Hat der Arzt empfohlen. Nun gut.. schadet mir auch nicht ;). Ich muss jetzt erstmal austesten, was mir gut bekommt und was nicht.


Hauptsache ich muss erst mal kein Cortison einnehmen, das bringt die Blutzuckerwerte durcheinander. Ich hoffe, ich kann auch auf weitere Tabletten verzichten und muss nicht operiert werden. Ich hänge etwas in der Luft und tue erst mal das, was mir der Arzt rät. Ob das richtig ist, weiß ich auch nicht. Ich weiß noch zu wenig über die Krankheit, aber habe ja nun das "Vergnügen" den Herrn Morbus Crohn genauer kennen zu lernen. Bis dato kenne ich keinen, der Morbus Crohn hat, nur über ein paar Ecken hat man mal was mitbekommen. Das soll sich ändern, schließlich hat mir bereits der Erfahrungsaustausch mit Diabetikern so viel weitergeholfen... Vielleicht kennt ihr ja jemanden, der jemanden kennt? Oder ich starte mit www.morbus-crohn-leben.com ;). Nein, so weit bin ich noch nicht, ich muss das erstmal "verdauen"... im wahrsten Sinne des Wortes ;).

13.07.2014

Austoben in der Hitze: CGMS und OmniPod gut fixiert?

Gut fixiert: OmniPod und Dexcom-Sender
Eigentlich nicht nötig, das Pflaster des Insulinkäfers (Pod) und das Pflaster des Blutegels (Dexcom-Sender) halten meist bombenfest. Das des CGM-Sensors etwas besser als das des Pods. Hat ja auch weniger Gewicht zu tragen, sprich kein Insulin intus.

Anfangs, als ich den OmniPod gerade neu hatte, habe ich mir mit dem Fixieren noch mehr Mühe gemacht als heute. Ich fühlte mich so sicherer. Das hat allerdings nachgelassen, so wie man eben mit der Zeit und der Erfahrung auch seltener die Lanzetten wechselt oder die Haut seltener vor dem Spritzen/Katheter-/Podwechsel desinfiziert. OmniPod und CGM-Sensor haben es jedoch nicht leicht mit mir: Ausdauertraining, Schwitzen, Wasser, Krafttraining, Katze, Stoßen, Stolpern, Hängenbleiben, Hinfallen, Therme, Sauna, Massage, darauf schlafen, wühlen... nur bei der Büroarbeit, Kreativ-Schüben ;) und beim Meditieren dürfen sie mal zur Ruhe kommen.

Wenn der CGM-Sensor meines Dexcoms dann länger als ne Woche sitzt, ist dann doch die Zeit reif für die Fixierung mit Physio-Tape. Ich wickele das Tape 1,5 Mal um den Oberarm rum und dann hält der Sensor, bzw. das Pflaster mindestens weitere zwei Wochen.
Austoben auf dem Spielplatz für Erwachsene. Pod und Dexcom-Sender/Sensor machen jeden Spaß mit.
Der Check: Sitzt, passt, wackelt und hat Luft! Weiter geht's! Gestern war beispielsweise Lauftraining mit Abstecher zum "Spielplatz für Erwachsene" ;) Programm. So will ich das Freiluft-Fitnessstudio mal nennen, das sich in Hannovers Eilenriede versteckt. In jedem Fall habe ich mich wieder ausgetobt, wie unschwer auf den Fotos zu erkennen ist. Dabei hatte ich den Pod links an der Hüfte ohne Fixierung getragen, den Dexcom-Sensor am Oberarm mit Fixierung, da er bereits morgen seit drei Wochen guten Dienst leistet! Ich bin begeistert. Zugeklebt bis oben hin, aber egal: alles sitzt, passt, wackelt und hat Luft, es läuft! Bis auf... in Kürze mehr, denn mein Arzt hat mich mit einer Diagnose "überrumpelt"...
Wer hält länger durch Dexcom-Sensor, Pod oder ich ;). 

08.07.2014

Und warum hast du Diabetes Typ 1?

Wie anderen etwas erklären, was man selbst nicht einmal versteht bzw. weiß? Oder weißt du sicher, warum du Diabetes hast? Als Kind zu viel Zucker gegessen ;)? Oh oh, jetzt brodelt’s wieder gewaltig in der Gerüchteküche... (Was Diabetiker auf keinen Fall essen dürfen!) 
Wer so frech ist, bekommt Diabetes (Meine Uroma und ich)
Weißt du, warum  du Diabetes hast? 
Nein, Auslöser des Diabetes war natürlich die Kuhmilch oder doch der Kaiserschnitt? Sicher datt. Auch wenn ich gar nicht per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen bin ;). Passt schon… irgendwie. Dann sind Auslöser eben ääääh… die „schlechten“ Gene, die ich in mir trage, sollte halt nicht sein mit mir. Quatsch mit Soße, stand doch gerade in der Zeitung: Diabetes ist vorprogrammiert, wenn man vor dem vierten Lebensmonat schon Getreide "gefüttert" bekommt. Ah so! Oder war zu viel Hygiene "im Spiel", so dass bereits im Kindesalter zu wenig Abwehrkräfte vom Körper "ausgebildet" werden konnten? Mama, Papa!!! Was war da los?

Nein, stopp lassen wir das, Diabetes ist natürlich auf eine Glutenunverträglichkeit zurückzuführen. Na denn, das erklärt einiges ;). Oder sind vielleicht doch Umweltfaktoren schuld? Nein, Infektionen. Okay, jetzt aber im Ernst: Ich bleib lieber dabei, dass mein Diabetes "idiopathisch" ist. Ja das ist die Antwort! Sicher keine zufriedenstellende, aber es klingt schön! Oder was meint ihr, warum ihr Diabetes habt, was war der Auslöser?

Einige Dinge wissen wir jedenfalls sicher. So zum Beispiel, dass Diabetes eine polygene Erkrankung ist. Hmm… na ja immerhin ;). Ach ja und wir wissen, dass es unserem Immunsystem an Intelligenz fehlt, weil es die körpereigenen insulinproduzierenden Zellen – die Betazellen in den Langerhans´schen-Inseln der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) – angreift und zerstört. Tja und wenn es dem Körper dann am Botenstoff Insulin fehlt, kann auch keine Glukose aus der Nahrung mehr in die Zellen gelangen, der Blutzucker steigt. Klingt plausibel, leuchtet ein. Irgendwie. Mag stimmen… vielleicht, aber wir wissen eben, das wir nichts wissen, ist es nicht so?

Jedenfalls scheint Insulin Diabetikern aber zu helfen, das wissen wir schon. Warum wir es spritzen und nicht essen… bzw. "schlucken"? Eiweiß schmeckt doch nicht schlecht ;). Das vielleicht schon, aber die Magensäure würde das Insulin zersetzen. Das ist ein anderes Thema, was ich sicherlich auch noch mal aufgreifen werde, wenn ich just die nervige Nebenwirkung des Insulins hier endlich mal in den Griff bekomme: ahhh Unterzuckerung! Diabetes ist schon eine "komplizierte Krankheit"...

04.07.2014

Was nicht passt wird mit CGMS passend gemacht: Blutzucker im Tempolauf

Mit einem CGMS (kontinuierliche Glukosemessung) bin ich schon den ein oder anderen Marathon ohne Probleme und mit super Blutzuckerwerten gelaufen. Ohne CGMS erst ein einziges Mal den Ganzen und dabei soll es lieber bleiben ;)! Nun wollte ich aber einmal wissen, wie genau sich mein Blutzucker bei Tempoläufen verhält, bzw. bei kurzen knackigen Sporteinheiten von etwa einer Stunde. Das habe ich nie wirklich mit einem CGMS überprüft, sondern nur stichprobenartig mit einem Blutzuckermessgerät gecheckt. Ich konnte dabei feststellen, dass durch die Tempoläufe etwa eine halbe Stunde nach dem Sport meine Blutzuckerwerte extrem hoch ansteigen. Von nun an allerdings nicht mehr. Hoffe ich zumindest. Gewissheit hat man ja nie...

Mein Fehler war jedenfalls folgender: Ich bin bis dato immer in mit einem Blutzuckerwert von etwa 180 mg/dl in mein einstündiges Tempo-Sportprogramm eingestiegen. Um diesen Wert (ohne "hochessen") zu erreichen, musste ich meistens meine temporäre Insulin-Basalrate zwei Stunden vor Sportbeginn auf 0 Prozent absinken. Ich hatte super Werte während des gesamten Laufes. Nach der einen Stunde Sport sind jedoch, etwa eine halbe Stunde später, die Blutzuckerwerte extrem hoch angestiegen, teilsweise bis auf über 300 mg/dl und das im Eiltempo.

Daumen hoch: Sport mit CGMS ist der bessere Sport
Ich hatte verschiedenes getestet, um das zu verhindern: statt die Basalrate abzusenken habe ich zwei BE im Vorfeld gegessen ohne Bolus zu spritzen, um nur ein Beispiel zu nennen. Nur habe ich dabei immer wieder diesen einen Fehler gemacht, dem ich nun auf die Schliche gekommen bin: Ich habe immer drauf geachtet, nie mit einem Blutzuckerwert von unter 180 mg/dl loszurennen! Gleichgültig ob ich die Basalrate eventuell sogar schon drei Stunden zuvor runtergeschraubt hatte. Dabei hatte ich die verzögerte Insulinwirkung wieder einmal nicht bedacht bzw. unterschätzt.

Nun habe ich es gewagt und bin mit einem Blutzuckerwert von um die 100mg/dl gestartet, wobei ich die Insulinpumpe zwei Stunden im Vorfeld bereits komplett abgeschaltet hatte, da der Blutzuckerwert bei 70 mg/dl lag. Da ich nicht schon wieder was essen und mit vollen Magen in den Sport gehen wollte, bin ich also dennoch mit besagtem Wert von 100 mg/dl los. Während des Laufes hatte ich wie gewohnt gute Blutzuckerwerte, erstaunlicher Weise keine wie von mir erwartete Hypo. Kontinuierlich ein Wert um die 100 mg/dl! Nach dem Lauf: kein Blutzuckeranstieg. Hö? Blutzucker verhielt sich absolut linientreu und das für den Rest des Tages. Seit jeher gehe ich auch mit einem 100er-Wert meine Tempoläufe an, nicht zwingend mit 180er Blutzuckerwerten wie es oftmals empfohlen wird. Aber sicherlich nur dann, wenn ich für mein Vorhaben die Basalrate im Vorfeld mindestens 1,5 Stunden vorher abgesenkt habe. Ansonsten esse ich je nach Wert zwei/drei BE bevor ich starte. Und siehe da: ES LÄUFT!

Am 23.08.2014 eine Woche vorm Benefiz-Werkheim-Marathon übrigens hier:

27.06.2014

Mein neuer Schatz: CGMS Dexcom G4

So, nun ist es amtlich und wer meine Facebook-Blog-Seite verfolgt, weiß es auch schon: ich bin stolzer Besitzer eines neuen CGMS. Nun gut, ich habe es erst mal nur zur Probe, teste es gerade ausgiebig. Es handelt sich um das Dexcom G4, das meinen Freestyle Navigator I ablösen soll. Es ist schon abgefahren, wie glücklich mich/Diabetiker so ein medizinisches Gerät machen kann. Aber meine Blutzuckerwerte sind nun der Hammer! Meine Laune so viel besser und ich bin so ausgeglichen... ;).
Nie mehr ohne! Top Blutzuckerwerte dank CGMS. Das Dexcom G4 ab JETZT mein ständiger Wegbegleiter neben dem OmniPod!
STOPP... meine Euphorie… entschuldigt… ich fange am besten von vorn an: Vor ein paar Jahren hatte ich bereits an einer Studie an der Charité Berlin teilgenommen und ich bin in den Genuss des Freestyle Navigator I gekommen. Ich habe erstmals ein CGMS testen dürfen und innerhalb von zehn Tagen konnte ich meinen HbA1c-Wert damit um ein Prozent senken. Wahnsinn! Nun hat mein Freestyle Navigator ausgedient. Mehrere Marathons/Ultramarathons hat er mir zu Seite gestanden. Mittlerweile gibt es modernere Systeme wie das Dexcom G4. Und das sollte es auch sein: Vor ein paar Tagen hatte ich entschieden und nach Absprache mit meiner Diabetologin und Diabetesberaterin, den Termin mit einer Außendienstmitarbeiterin von Nintamed vereinbart. Aus Zeitmangel meinerseits hat das Treffen in einer Bar stattfinden müssen. Ich bin da ja offen und sonst hat sich auch scheinbar niemand dran gestört, dass wir da mit so "Schusswerkzeugen" gedealt haben ;). Und wenn... sollen die Leute doch gucken und sich ihren Teil denken. Mir gleich. So hat man mir jedenfalls das Dexcom G4 in besagter Bar freundlich, kurz und präzise erklärt und den ersten Sensor in den Oberarm geschossen (eigentlich eine Stelle die für den Sensor nicht zugelassen ist, aber "nicht zugelassen" heißt nur, dass keine Studien vorliegen!). Aua! Nein, tut natürlich nicht weh. Wir Diabetiker sind da eh "hart" im Nehmen ;).

Wie dem auch sei, seit jeher sitzt der Sensor bombenfest am Oberarm. Das Pflaster hält so fest, dass man meinen könnte, der Sensor ist angewachsen. Ich bin begeistert! Zwei Stunden war dann erst mal „Blindflug“ angesagt, bis zur ersten Kalibrierung. Zur Kalibrierung benötigt das Dexcom zwei Blutzuckerwerte. Dazu misst man den Blutzucker mit einem Blutzuckermessgerät zwei Mal und entnimmt das Blut am besten aus zwei verschiedenen Fingern/Händen. Diese übermittelt man dem Dexcom. Gesagt getan, Glukosewert wurde danach auf dem Display direkt angezeigt... Startschuss ist gefallen....


Nun zum Alltag, wie hat sich das CGM-System bis dato bewährt?

 

Ich bezeichne es gern als Blutzuckerkompass (oder meinetwegen auch Glukosekompass)! Ich liebe CGM-Systeme besonders deshalb, weil sie mir den Blutzuckertrend (Glukosetrend) vorgeben, Tendenz steigend, Tendenz sinkend... man weiß, was einen erwartet und kann entsprechend reagieren. Insulin spritzen... was essen... Sport treiben... wie auch immer. Meine Werte habe ich IMMER im Blick, auch nachts weiß ich, wie es um sie bestellt ist. Steigen die Werte zu hoch an oder sinken sie zu stark, alarmiert mich das System.

Basalrate nachts...

 

CGMS Dexcom G4 von Nintamed: Für Diabetiker ein MUSS!
Die erste Nächte mit dem CGMS brachten schon Überraschungen mit sich. Katastrophal, absolutes Blutzuckerchaos, was bei mir da nachts herrscht. Hätte ich das eher gewusst! Was macht Diabetiker mit Insulinpumpe als erstes, nach dem er dieses Blutzuckerchaos analysiert hat? Richtig, die nächtliche Basalrate anpassen/umprogrammieren! Gesagt getan, zweite Nacht Bombenwerte, 1A! Zwei Ausreißer, die ich mit einer weiteren kleinen Änderung der nächtlichen Basalrate nun auch in den Griff bekommen habe. Nun habe ich nachts 100er Werte ohne Blutzuckerspitzen!

 

Messgenauigkeit...

 

Abweichungen zu meinem Blutzuckermessgerät/OmniPod liegen im Schnitt um die 20-30 mg/dl. Völlig in Ordnung! Man muss ja bedenken dass das System den Gewebezucker und nicht den Blutzucker misst!

Laufen/Sport mit Blutzuckerkompass...

 

Macht natürlich viel mehr Spaß ;). Man sollte allerdings nicht ständig auf die Glukosewerte schauen, sonst wird man irre, isst zu früh Traubenzucker oder spritzt zu früh Insulin, spielt zu viel mit der temporären Basalrate der Insulinpumpe rum. Ich versuche es zu vermeiden ständig drauf zu gucken. Man muss ja auch immer die verzögerte Wirkung des Insulins bedenken, weshalb ich meine temporäre Basalrate beispielsweise bereits zwei Stunden vor längeren Läufen/Sporteinheiten runterschraube. Das klappt immer ganz gut.

Sensor und Pflaster...

 

Sensor ist winzig im Vergleich zum Pod. Reichweite: sechs Meter, Minimum. Das Pflaster sitzt bombenfest, muss ich nicht extra mit Tape fixieren! Mein Körper ist nun allerdings gut beklebt. Pod und Sensor müssen ihren Platz finden. Wichtiger Hinweis: Pod und Sensor sollte man nicht nebeneinander platzieren. Warum? Weil der Pod Insulin abgibt und der Sensor den Gewebezucker misst, wenn die sich in die Quere kommen, kann dies zu ungenauen Messwerten führen.

So viel erst mal zum ersten Eindruck. Ach so, eins muss ich noch klarstellen: Natürlich kann man sich auch mit CGMS nicht einfach zurücklehnen und muss seinen Teil dazu beitragen, um die Blutzuckerwerte im Zielbereich zu halten. In Kürze berichte ich weiter. Kommentiert hier auch gern, fragt, schreibt, was wollt ihr noch zum Dexcom G4 wissen? Traut euch ruhig ;).