22.09.2014

Diabetes-Blog-Woche - Schreibe deinem Diabetes einen Brief: Die Kündigung!

dbwVor geraumer Zeit hatte ich bereits dem Insulin ein Gedicht gewidmet ;). Außerdem gab's auch schon einen Diabetes-Gangsta-Rap meinerseits. Heute startet die Diabetes-Blog-Woche und das erste Thema der Diabetes-Blog-Woche lautet "Schreibe deinem Diabetes einen Brief".

Also gut, nach Gedicht und Rap folgt der Brief. Ich werde definitiv KEINEN Liebesbrief schreiben, auch wenn der Diabetes mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin: eine verbitterte Rotzgöre ;). Nein im Ernst, meine Willensstärke und meine Hartnäckigkeit habe ich ihm schon zu verdanken. Statt Liebebrief dennoch vorzugsweise das Kündigungsschreiben:

Von:
Körper GmbH
Stefanie Blockus
www.diabetes-leben.com

                                                                                Hannover, den 22. September 2014

An:
Diabetes mellitus
Typ 1 seit 1997

Betreff: Kündigung des Beschäftigungsverhältnisses

Sehr geehrter Herr von und zu mellitus,

leider muss ich Ihnen heute mitteilen, dass Sie für das Unternehmen "Körper" längst nicht mehr tragbar sind. Ihr Angriff auf die Betazellen bis hin zu deren vollständigen Zerstörung haben dazu geführt, dass wir seit 1997 viel Geld in chemische Substanzen und technische Hilfsmittel stecken mussten, um unser Unternehmen am Leben zu halten. Das hat uns fast in die Insolvenz getrieben.

Sie haben die Arbeit in der Abteilung Blutzucker stets behindert mit Auswirkung auf den gesamten Unternehmensbereich Stoffwechsel. Auch Ihre Empfehlung Herrn Crohn einzustellen, war sehr kontraproduktiv. Die Sachbeschädigung an Pankreas und das Mobbing gegen Frau Psyche haben letztendlich dazu geführt, dass wir uns entschieden haben, Sie fristlos zu entlassen.

Bitte verschonen Sie uns mit weiteren Rechtfertigungen, etwa dass Ihr Verhalten auf multifaktorielles Geschehen zurückzuführen ist, dass genetische Faktoren, Umweltbedingungen und Reaktionen des Immunsystems daran beteiligt sind. Unsere Entscheidung steht fest und die Ursachen für ihr Verhalten sind längst nicht eindeutig bekannt, noch weniger erklärbar und erst recht keine Entschuldigung!

Wir wünschen Ihnen für die Zukunft... eine gute Therapie oder besser noch Heilung.

Freundliche Grüße
Körper GmbH

Kündigung des Beschäftigungsverhältnisses: auf Herrn Diabetes kann ich gut und gerne verzichten!

14.09.2014

Erstmaliges Setzen des Dexcom-Sensors: wir üben noch ;)

Aua, das tut doch weh? Denkste!

Ich habe Hendrik (besser bekannt als Moppi) und mich dabei gefilmt, als wir das erste Mal den Dexom-Sensor (CGMS) gesetzt haben. Na ja, mehr Moppi als mich und mehr gewackelt als gefilmt und mehr Bedienungsanleitung studiert als gesetzt. Perfektion ist halt unattraktiv! Aber keine Sorge, es sieht komplizierter aus als es ist und die Tücher zum Tränen abtupfen (siehe Foto) habe ich dann doch nicht benötigt.

Gerne dürfen Profis die Fehler im Video aufspüren, die Moppi und ich beim erstmaligen Setzen noch gemacht haben und natürlich freue ich mich auch über Tipps und Tricks, auch wenn wir mittlerweile schon Profis sind :).
Taschentücher parat ;)? Dann "Feuer frei" ;). Mein Mann setzt mir oft den Dexcom-Sensor, da ich hinten an meinen Oberarm schlecht selbst drankomme. Schaut euch das Desaster auf Video an (siehe unten).
Moppi hat den Dexcom-Sensor gesetzt, weil ich hinten an meinen Oberarm schlecht drankomme. So wie er auch ab und zu mal meinen OmniPod setzen muss, beispielsweise hinten am unteren Rücken. Macht er richtig gut! Nun gut, der Film zeigt allerdings das ERSTMALIGE Setzen des Dexcoms-Sensors. Ähm... aller Anfang ist bekanntlich schwer und es ist eben auch noch kein Moppi vom Himmel gefallen.

Mittlerweile geht das Setzen des Dexcom-Sensors selbstverständlich fluffig von der Hand und es ist auch keine Bedienungsanleitung mehr nötig. Gäbe es Weltmeisterschaften im Dexcom-Sensor-Setzen, wäre Hendrik mittlerweile Platz 1 sicher. Die Dexcom-Sensor-Setz-WM halte ich dann natürlich auch wieder hier auf Video fest. Vorerst müsst ihr euch aber noch mit diesem stümperhaften Video zufrieden geben.

Meine Frage im Film: "Hast du schon geschossen?", beweist in jedem Fall, dass das Setzen des Dexcom-Sensors nicht/kaum spürbar ist. Damit sollten sich die Fragen meiner Mitmenschen wie "Setzt du dir den Sensor echt selbst? Das muss doch höllisch wehtun, ich dachte, das macht dein Arzt?" erübrigen:

Also, finde den ääh DIE Fehler beim Setzten des Dexcom-Sensors im Video:
 

13.09.2014

Diabetes-Blog-Woche steht in den Startlöchern

Nächste Woche Montag startet die Diabetes-Blog-Woche. Vom 22. September bis zum 28. September sind alle deutschsprachigen Blogs eingeladen, täglich zu einem vorgegebenen Diabetes-Thema einen Artikel zu verfassen. Alle zu den Themen der Blogwoche eingereichten Artikel werden zentral auf diabetes-blog-woche.de gesammelt und verlinkt. Hat unter anderem den Vorteil, dass wir Blogger und Diabetiker uns stärker vernetzen.

Ich bin sehr gespannt, was sich die anderen Diabetes-Blogger zu Themen wie "Technik, die begeistert", "Geschichten, die das Leben schrieb" oder "Tag X, der Tag an dem der Diabetes kam" alles einfallen lassen werden. Nimm doch auch daran teil. Ist ganz einfach und unkompliziert, erfordert auch keine Anmeldung. Mach mit, denn auch dein Standpunkt, deine Ansicht, dein Blickwinkel interessiert und trägt zur Aufklärung und Verständnis des Diabetes bei.

Selbst wenn du keinen eigenen Blog hast und in der Blog-Woche nicht täglich einen Artikel schreiben kannst/möchtest, kannst du aktiv daran teilnehmen. Hier findest du alle Infos und Themen zur Diabetes-Blog-Woche: Homepage der #DBW2014.

dbw
 

10.09.2014

Nach 143 gelaufenen Kilometern in 24 Stunden aufs Siegertreppchen... gehievt

6. September, 15 Uhr: Zeit für den Startschuss zum Rüninger-24-Stunden-Lauf. Hell leuchtend strahlte mir die Ziffernfolge "24:00" auf der digitalen Anzeige im Start-/Zielbereich entgegen. Dass diese Anzeige und ich noch eine Hassliebe aufbauen würden, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar, ebenso wenig, dass ich 24 Stunden nonstop laufen würde, ohne auch nur einmal die Beine stillzuhalten. Auch dass sich viele neue Bekanntschaften entwickeln, ich nahezu kein Insulin benötige und der Blutzucker unerwartete Dinge tut, war mir noch nicht bewusst. Und erst recht nicht, dass ich gut 3,5 Marathons abspule, auf den Siegertreppchen Platz 1 stehen oder den siebten Platz ALLER Teilnehmer (Männer eingeschlossen)/den zweiten Platz aller Frauen erkämpfen würde...

Der 24-Stunden-Lauf fand zum fünften Mal in Braunschweig/Rüningen unter dem Motto "Ich laufe wann ich will und solang' ich will" statt. Gelaufen werden 1-Kilometer-Runden, abwechslungsreich auf Schotter, Bahn und Waldboden. Jeder einzelne erlaufene Kilometer wird von den Veranstaltern gesponsert und United Kids Foundations zur Verfügung gestellt. Weitere Infos zum Lauf findet ihr im Programmheft der Rüninger Roadrunner.

Wie immer ziemlich spontan hatte ich mich jedenfalls dazu entschlossen, an diesem 24-Stunden-Lauf teilzunehmen, ohne groß darüber nachzudenken, was ich mir da eigentlich aufgehalst hatte. Brigitte, eine längst liebgewonnene Marathon-Lauffreundin, packte mich am Kragen und fuhr uns samt Zelt, Schlafsack, Wechselkleidung und Co zum Veranstaltungsort, wo uns schon zahlreiche Läufer, darunter auch einige der üblichen Verdächtigen aus der OG Hannover erwarteten ;). Und überraschenderweise stand plötzlich auch mein Vater neben mir, der mich noch einmal drückte und "über die Schulter spuckte :)". DANKE!!!

Es kann losgehen: auf geht es mit Diabetes im Gepäck nach Rüningen zum 24-Stunden-Lauf 


Kurz vor Start des 24-Stunden-Laufes

Los geht's...

Wir standen nun an der Startlinie. Mir steckten noch das Eilenriederennen und der Werkheim-Marathon in den Knochen, dennoch waren die ersten 50 Kilometer schnell gelaufen. Kein Wunder bei der Verpflegung und der liebevollen persönlichen Betreuung vor Ort. Warme Salzkartoffeln, Toast mit Butter und Salz, Müsliriegel, Kaffee, Brühe, Isotonische Getränke... Außerdem Massagen, Musik an der Strecke, Unterhaltung für die ganze Familie und vieles mehr.


Die Durchsage und der weniger erfreuliche Kommentar zu meiner Startnummer

Ich freute mich ganz besonders über die folgende Durchsage: "Auch mit dabei Stefanie Blockus mit der Startnummer 271... Schaut doch mal auf www.diabetes-leben.com vorbei, was sie uns dort für eine Botschaft vermittelt." Weniger erfreulich war hingegen nach 120 gelaufenen Kilometern die Frage eines ZUSCHAUERS, ob denn meine Startnummer meinem Geburtsjahr entspräche? Das hat gesessen! Okay ich sah auch aus wie Sch... Aber nach drei nonstop gelaufenen Marathons darf man das auch. Schließlich wollte ich keinen Schönheitswettbewerb gewinnen.

Der Lauf nimmt seinen Lauf: Walking Dead!

24-Stunden-Lauf in Rüningen: Moonlightrun
Zum "Verlauf des Laufes" ;): erste 50 Kilometer wie geschildert okay, 50-100 Kilometer gerade noch erträglich, die letzten 43 einfach nur zum K...

In der Nacht lief ich die 50-100 Kilometer. Ab 0:00 Uhr war Moonlightrun Programm, das motivierte einige Läufer wieder zurück auf die Strecke, denn wer in der Zeit von 0:00-4:00 Uhr 15 Runden abspulte, der bekam das Moonlightrunner-T-Shirt gratis (siehe Foto unten). Viele funktionierten das Shirt direkt als "Nachthemd" um und zogen sich damit ins Zelt zurück. Na ja und einige andere, mich eingeschlossen, die seit 15:00 Uhr auf den Beinen waren, bewegten sich wie Zombies durch die Nacht ;). Im Nebel erinnerte das Ganze an die ein oder andere Szene aus Walking Dead (siehe Foto). Ein fleißiges Läuferpärchen lief Arm in Arm an mir vorbei. Die beiden (Laura und Tobi) durfte ich dann bei der Siegerehrung noch näher kennenlernen. Laura belegte Platz zwei in meiner Altersklasse und wir haben uns auf Anhieb super verstanden und über Facebook schon ein Treffen geplant.

Diese Situation beim 24-Stunden-Lauf in Rüningen erinnerte an eine Szene aus Walking Dead

Schwarze und rote Zahlen: Blutzuckerwerte und Zeitanzeige

Zu dieser Zeitanzeige baute ich beim 24-Stunden-Lauf
eine Hassliebe auf
Spätestens mit Beginn des Sonnenaufgangs fing ich an, die Zeitanzeige, die von 24:00 Stunden auf 0:00 herunterzählte, zu hassen. Wie langsam vergeht die Zeit? Sonst rennt sie einem davon, nur heute nicht? Pfft... Na ja, so konnte ich mal mit mir ins Reine kommen. Ich machte mit Gedanken über mein Leben, in dem natürlich auch der Diabetes längst seinen Platz gefunden hatte, auch wenn ich ihm den sicher nicht freigehalten habe ;). Apropos: Diabetes und die Blutzuckerwerte. Ihr wollt sicherlich wissen, wie sich diese verhielten: Ich lief nahezu komplett OHNE Basal, korrigierte allerdings ab und zu über die Fernbedienung/den PDM meines OmniPods, wenn der Blutzuckerwert zu hoch anzusteigen drohte. Aber nur ganz vorsichtig, beispielsweise mit 0,5 I.E bei ansteigenden Messwert von 200. Natürlich hatte ich DexStar (kennt ihr die Serie? Dann wisst ihr auch warum ich den Dexcom so nenne) dabei, meinen persönlichen Blutspurenanalytiker ähhh...Blutzuckerwegweiser. Das CGMS warnte mich rechtzeitig bei Hyper- oder Hypogefahr, also eigentlich (!) "easy going". Nach jedem Kilometer nahm ich etwas Kohlenhydrate zu mir, ebenso Wasser, Apfelschorle, Gemüsebrühe... etc. So konnte ich meinen Elektrolythaushalt gut in Balance halten.

Die Schmerzen und die Sache mit der Motivation

Die warmen Salzkartoffeln, die nachts angeboten wurden, waren ein Traum und mein Magen erfreute sich sehr daran. Denn natürlich hatte auch die Verdauung unter der ständigen Laufbewegung zu leiden. Die Toilettengänge häuften sich porportional zur Anzahl der gelaufenen Kilometer, ebenso die Blasen, Wunden und Mückenstiche, wobei letztere das geringere Problem darstellten. Die Schmerzen zwangen mich eigentlich schon fast zum "Aufhören", wären da nicht zwei "Mitstreiter" namens Brigitte (die mich zur Veranstaltung geschleppt hatte) und Anke gewesen ;). Anke war die Gewinnerin des letzten Jahres (mit über 160 Kilometern!!!). Die beiden haben mir Mut gemacht, obwohl sie selbst bitter zu kämpfen hatten. DICKES,  GROSSES DANKE!!!

Ich kann aber nicht mehr...

Nun gut... Gespräche mit anderen Läufern und ein Hörbuch über Sportmotivation, von dem ich nicht mehr viel aufnahm sollten mir die Zeit weiterhin laufend vertreiben... oder auch nicht: Zum "Quatschen" hatte ich längst keine Lust mehr ;) und das Hörbuch motivierte mich kein Stück!!! Einzig und allein die Roadrunner-Helferleins zwei Stunden vor Schluss, die mir Märchen erzählten, motivierten. Märchen insofern, dass sie behaupteten, dass ich jetzt dranbleiben müsse, um eine Chance aufs Treppchen zu bekommen. Ich nölte mit völlig leerem Kopf nur so etwas wie "Ich kann aber nicht mehr!". Dann kam nur noch ein "Doch, doch du kannst noch... deine Mitstreiterin um den zweiten Platz ist nur 5 Kilometer hinter dir, also RENN"... Okay, Schmerzen irgendwie verdrängen und "mehr oder weniger" Gas geben. Erst als ich die letzte Runde in Angriff nahm, versicherte man mir, dass die Zweitplatzierte fast zwei Marathons hinter mir lag. Ähm ja... ;). Im Nachhinein sage ich mal "Danke" fürs Märchen erzählen ;).

Blutend ab ins Ziel

Das Moonlightrunner-Shirt, der Pokal und
die Urkunde :)
Die letzte Runde kroch ich dann blutend ins Ziel, meinen Rücken konnte ich längst nicht mehr richtig aufrecht halten. Aber mir war alles gleichgültig geworden. Ich konnte die Läufer nicht mehr beim Namen benennen, wusste nicht mehr mit wem ich über was gequatscht hatte, ich gab nur noch wirres Zeug von mir, schwankte wie eine Volltrunkene von links nach rechts, alles war blutig und schmerzte... Ich sag ehrlich wie's ist, das war kein Spaziergang! ABER: Ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe. Na und wer Narben hat, hat halt was erlebt. Muss man ja auch mal so sehen...

Keine Kraft mehr, um aufs Siegertreppchen zu steigen

Das Roadrunner-Team musste mich bei der Siegerehrung auf das Treppchen hieven, weil ich dazu keine Kraft mehr hatte. Die Beine streikten. War mir alles egal. Mit Pipi in den Augen nahm ich den Pokal entgegen: 143 gelaufene Kilometer, gut 3,5 Marathons in 24 Stunden... reicht, oder ;)?

Wenn man es nicht mehr alleine aufs Siegertreppchen schafft ;) - weitere Fotos folgen in Kürze

Das Blutzucker-Team

Zum Diabetes und den Therapiehilfsmitteln bleibt mir nur sagen, dass ich verdammt froh und dankbar darüber bin, dass mir meine Krankenkasse den OmniPod genehmigt hat und ich meine Insulinzufuhr damit einfach über die Fernbedienung steuern kann, mehr Freiheiten genieße und einen wirklich treuen Begleiter gefunden habe, der solche Extremläufe mit mir meistert.

Na ja und klar, ohne das CGMS, meinen DexStar, hätte ich ständig meine Blurzuckerwerte messen müssen, auch meinen Fingern Wunden zufügen müssen, wo dich eh schon alles wund war ;). Außerdem hätte ich einen immensen Zeitverlust und keine kontinuierliche Anzeige meiner Messwerte, geschweige denn eine Blutzuckerwerttendenz im Blick gehabt.

Ich lief insgesamt 24 Stunden nahezu OHNE Insulin-Basalzufuhr und trotz ausreichender Kohlenhydratzufuhr überraschte mich die ein oder andere Hypo, die mir mein CGMS rechtzeitig ankündigte. Ich konnte vorbeugend also immer Kohlenhydrate zuführen, so dass ich mich auf der sicheren Seite bewegte.

Der kleine Hunger hinterher und die Regeneration ;)

Apropos Essen... Nach so einem Lauf bist du ausgezehrt. Der Körper braucht Nährstoffe. Und damit ich nun schnell wieder auf die Beine komme und regeneriere, habe ich mich erst mal übers Essen hergemacht. Schon mal Süßkartoffeln mit Marmelade und sauren Gurken mit Schokolade verzehrt? Ich schon ;-P. Ein bisschen Dehnen, Schwimmen, Radeln, Massage und Meditieren gehört für mich zur Regeneration auch dazu.

Übrigens werde ich in Kürze noch einen Artikel über diesen Lauf schreiben, der sich weniger auf den Lauf an sich, sondern viel mehr auf das Blutzuckermanagement während des Laufes konzentriert. Den und weitere Bilder findet ihr dann in Kürze in der Blutzuckerlounge...

31.08.2014

44,6 Kilometer kontinuierliche Geschwindigkeit, kontinuierliche Blutzuckermessung und kontinuierliche Freude am Laufen

Das Datum des siebten Werkheim-Benefiz-Marathons konnte ich mir gut merken, schließlich feierten mein Mann und ich am 29.8.2014 unseren sechsten Hochzeitstag. Trotz der beiden freudigen Anlässe begann der Tag eher unmotiviert: Wer will schon mit Regen geweckt werden?! Dann rebellierte noch mein Magen. Aber es nützt ja alles nichts. Natürlich wird bei jedem Wetter, zu jeder Zeit an jedem Ort gelaufen.

Nix vergessen? Blutzucker okay? Gedanken
kurz vorm Marathon
Wie alle bisherigen Langstreckenläufe wollte auch dieser gut geplant sein, insbesondere in Bezug auf den Diabetes. Das "Diabetes-Sachen packen" im Vorfeld, gleichgültig wohin es geht, nervt wohl jeden Diabetiker tierisch. Während Hendrik (der gemeinsam mit mir unseren Hochzeitstag laufend feiern wollte, wenn auch nicht die 44,6 Kilometer lang) in zwei Minuten Schlüssel, Handy, Bahncard, Taschentücher beisammen hatte, zerbrach ich mir mal wieder stundenlang den Kopf:

Insulinpumpe läuft? Batterien voll? Was wenn Insulinpumpe ausfällt? Ersatzspritzen einpacken (Daily Dose). Traubenzucker dabei? Alles gut fixiert?  "Hendrik kannst du mal eben..." Ganz wichtig und neu in meinem "Team": Der Dexcom G4 Platinum! Hatte ich den wirklich aufgeladen oder hat die Katze nachts mal wieder ein Ladekabel gekillt? Gedanken über Gedanken.



Immerhin war ich nicht so aufgeregt wie sonst vor Wettkämpfen oder Marathons, denn mit dem Dexcom habe ich meine Werte immer im Blick. Außerdem kann mein DexStar, so wie ich ihn (ja, es ist ein "Er") gerne nenne, hellsehen: Er verrät mir ob meine Blutzuckerwerte (messe in mg/dl) steigen, gleich bleiben oder absinken. Das System ist also vergleichbar mit einem Kompass, mein Blutzuckerwegweiser sozusagen. Der erste Blutzucker/Glucose-Check mindestens drei Stunden vor Start: 111. Schöne Zahl!  Zwei Stunden vor dem Lauf dann noch mal ein kritischer Blick auf das Display des Dexcom-Empfängers: der Messwert von 90 mit gleichbleibender Tendenz veranlasste mich dazu, die temporäre Basalrate auf 20 Prozent abzusenken und etwas zu essen, so dass ich kurz vor Start einen Wert von 160 hatte. Perfekt!

Traubenzucker im Zopfgummi
Als ich dann den Diabetes-Kram in sämtlichen Taschen und Zopfgummis (siehe Foto) verstaut und meinen Blutzucker unter Kontrolle hatte, streifte ich mir statt geplanter Regenweste mein "Lauf Pankreas lauf"-T-Shirt über, da die Sonne doch noch zum Vorschein kam :). Ich finde es "lustig", wie die Mitmenschen mich in diesem Shirt (siehe Foto) mustern und verzweifelt versuchen, das Motiv richtig zu interpretieren. Auf der Rückseite finden sie dann die Antwort: "www.diabetes-leben.com".


Diabetes-leben trifft Sportslovr ;)
Später fragte ein Läufer (SPORTSLOVR, siehe Foto) interessiert: "Trägst du eine Pumpe?" ;). Es stellte sich heraus, dass er viele Jahre in der Diabetes-Branche gearbeitet hatte.

Kurz vor Start trafen Hendrik und ich die OG-Hannover-Truppe, mit der wir gemeinsam in diesem Jahr den Pokal für die meist gelaufenen Kilometer erkämpfen wollten. Beim Werkheim-Marathon geht es nämlich nicht um Bestzeiten. Stattdessen kann jeder für sich entscheiden, wie viele Etappen er mitläuft. Vor allem aber geht es bei diesem Lauf um den guten Zweck! Dieses Mal gingen die Erlöse an hilfsbedürftige Kinder.







Fragen über Fragen zum Dexcom Platinum G4 
Vor dem Start und auch noch während des Laufs kamen die ersten Fragen zum Dexcom, schließlich hatte der bei mir Marathon-Premiere ;), den kannten meine "Mitstreiter" noch nicht: Was ist das, was kann der und warum hat nicht jeder Diabetiker so ein System? Da wir oft gemeinsam an den Start gehen, haben sie schon verstanden, wie der Diabetes "läuft". Tja und mit kontinuierlicher Glukosemessung eben noch besser.

Hendrik begleitete mich fünf Etappen lang, insgesamt 24,6 Kilometer! Sein längster Lauf bisher! Bestimmt wurde es ihm einfach zu langweilig mit mir ;), denn die Aufgaben des Blutzuckerbodyguards übernahm ja und übernimmt auch künftig mein "DexStar" ;). Meine Werte verliefen ideal bei 20% temporärer Basalrate. Bei Tendenz sinkend gabs dann einen Müsliriegel und bei Tendenz steigend oder Energieaufnahme wurde vorsichtig Insulin gespritzt, bzw. über den PDM, der Fernbedienung meiner Insulinpumpe, gebolt.

An vielen Verpflegungsstationen griff ich zur Malzbierschorle (sehr empfehlenswert) und tankte Energie beispielsweise in Form von Nüssen oder Salzstangen, um meinen Elektrolythaushalt in Balance zu halten.

Mit Insa (Organisatorin des Mukoviszidose-
Spenden-Laufs)
Eine Begleitung, über die ich mich auch sehr freute, war Insa. Sie war aktiv mit ihrem Fahrrad dabei und das so kurz nach ihrer Lungentransplantation! Sie ist die Organisatorin des Mukoviszidose-Spendenlaufs, selbst betroffen und eine Frohnatur durch und durch. Diabetes ist bei ihr nur eine "Nebenerkrankung"!!! Sie lässt sich echt nicht unterkriegen.

Da mir ständiges Fingergepieke und Blutzucker messen erspart blieb und meine Werte optimal waren, konnte ich den Lauf bei durchgehendem Sonnenschein ganz ohne Aufregung genießen, mit den Läufern schnacken und auch die gesamte Strecke von 44,6 Kilometer ohne Probleme bewältigen. Lediglich leichte Magenschmerzen und etwas Übelkeit nervten auf den letzten Kilometern. Na ja, kein Wunder, wenn man mit ansehen muss, wie ein Läufer auf eine tote Ratte tritt, die ihm fast unterm Schuh kleben bleibt ;/.


Nun gut, im Ziel wartete dann Hendrik auf mich und staunte wie fit ich noch war. Mit insgesamt 1000 erlaufenen Kilometern, durften wir als OG-Hannover in diesem Jahr den Pokal entgegen nehmen... Anschließend wurde der erste Platz gefeiert und natürlich das Buffet gestürmt, denn von nix kommt nix.

Ach ja, fast vergessen: Blutzucker nach dem Lauf: 99, Tendenz gleichbleibend.
Hier findet ihr übrigens auch den RTL-Bericht über den Lauf: RTL Nord über Werkheim Benefiz-Marathon
Werkheim Benefiz-Marathon Hannover in Bildern

26.08.2014

Eilenriederennen: mit Wut im Bauch zur neuen Bestzeit

Samstag Nacht war ich wie berichtet beim Electric Run in Hannover. Auch wenn ich die Nacht nur wenig Schlaf bekam, habe ich mich dann morgens mehr oder weniger spontan zum Eilenriederennen in Hannover begeben, um daran teilzunehmen. Dabei hatte ich mir überlegt, "Laufen gehste heute sowieso in der Eilenriede. Warum denn nicht mit anderen gemeinsam laufen, nachmelden ist ja bis kurz vor Startschuss möglich. Außerdem wäre meine Hausstrecke aufgrund des Rennens ja eh gesperrt gewesen." Ich dachte mir, läufste vorher ein bisschen, machste dann den 10-Kilometer-Lauf mit und hängst danach noch eine Runde dran.
Eilenriederennen 2014 in Hannover: Mit Wut im Bauch zur neuen Bestzeit

Das passierte vor dem Lauf: Stärken, Diabetes-Utensilien-Check und wichtige Gespräche!

Kurz entschlossen und mit müden Augen lief ich also gemütlich mit kleinem Umweg los zum Lister Turm, meldete mich vor Ort auf den letzten Drücker für das Eilenriederennen nach. Ich schnackte noch ein bisschen mit den "üblichen verdächtigen" Lauffreunden (Danke Christian (OG Hannover) für ein wirklich interessantes Gespräch) und aß noch gemütlich einen Müsliriegel, um mich zu stärken und einer Unterzuckerung während des – ursprünglich geplanten "entspannten Laufes" – vorzubeugen. Das Dexcom zeigte einen 200er-Wert an, also leicht erhöht, aber noch okay für einen "Vor-dem-Sport-Blutzuckerwert". Die temporäre Basalrate meiner Insulinpumpe hatte ich bereits nach dem Aufstehen (etwa zwei Stunden vor dem Lauf) auf 50 Prozent abgesenkt.

Ich reihte mich in die Läuferschar an der Startlinie ein, prüfte noch mal, ob ich den ganzen Diabeteskram wie CGMS, PDM und co wirklich vollständig dabei hatte und traf noch auf Detlef Oppermann, einen wahnsinnig guten und schnellen Läufer mit... jetzt haltet euch fest... Diabetes Typ 2!!! Das betone ich deshalb so, weil ich die Vorurteile über die faulen, dicken Diabetiker Leid bin, gleichgültig, ob das Diabetes Typ 1 oder Diabetes Typ 2 betrifft.

Wer auf dem Foto hat Diabetes? Tipp: die Nase verrät es ;) - (mit Detlef Oppermann, rechts im Bild)

Der Startschuss, das Überholmanöver und die Wut im Bauch

10:35 Uhr fiel dann – ich noch im Gespäch vertieft ;) – schon der Startschuss. Los ging's. Ich nahm mich der Sache recht entspannt an, ohne Wettkampfgedanken, bis Folgendes passierte: Nach Kilometer vier wollte ich einen Läufer überholen, der sich allerdings ausgerechnet in diesem Moment dazu entschloss nach links auszuweichen (warum auch immer!!!). Zack war es passiert, ich bin mit ihm zusammengestoßen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, dennoch fing er an loszupöbeln. Innerlich braute sich bei mir da was zusammen, zunächst wurde ich langsamer, da mir ein wenig die Luft wegblieb. Dann kochte ich vor Wut. Und diese Wut musste halt irgendwohin und ich wurde schneller... Ich hatte mir fest in den Kopf gesetzt, diesen Unruhestifter (über den sich schon manch anderer Läufer während des Rennens geärgert hatte) nicht vor mir im Ziel ankommen zu lassen. Damit hatte ich mir was aufgebrummt, denn langsam war der nicht unterwegs. Na ja und ich dann demenstprechend auch nicht mehr ;).

Der Zieleinlauf beim Eilenriederennen

So kam es, dass ich für die restlichen 5 Kilometer noch mal alles aus mir rausholte. Ich war dabei allein in meinem Tunnel unterwegs, so dass ich leider Olli und Katharinas (ebenfalls von der OG Hannover) Anfeuerungsmannöver "Super Steff, du schaffst das" gar nicht wahrnahm. DANKE!!! Kurz vor Zieleinlauf überholten mich leider noch zwei Läuferin, sonst hätte ich wohl den dritten Platz der Frauen (Gesamtwertung) belegt. Aber mit den fünften Platz und einer neuen Bestzeit von 45:06 h lässt es sich auch ganz gut leben ;). Platz 1 lief 42:06, Platz 2 lief 44:13, Platz 3 lief 44:36, Platz 4 lief 45:04, Platz 5 war ich mit 45:06 ... ich denke, ich kann schon ein wenig stolz sein.

Na die 10 Kilometer in 45,06 Minuten waren doch ein Kinderspiel ;)

Der Blick auf das Dexcom und die "Abrechnung"

Im Ziel (während des Laufs hatte ich ausnahmsweise einfach mal keinen Nerv für den Diabetes) schaute ich auf mein CGMS, das Dexcom G4, das mich auf einen stark ansteigenden Blutzuckerwert aufmerksam machte. Einen Wert von 246 mg/dl hatte ich mir nicht unbedingt gewünscht, aber natürlich ist dieser ganz einfach zu erklären: für einen langsamen, entspannten Lauf, senke ich die temporäre Basalrate im Vorfeld ab, denn ich benötige dafür weniger Insulin. Für einen schnellen Lauf unter Wettkampfbedingungen und Druck benötige ich zusätzliches Insulin, da ich unter "Anspannung" stehe und mein Körper Adrenalin ausschüttet. Da nun aber der ursprünglich so angedachte und eingeplante entspannte Lauf recht spontan zu einem angespannten Lauf unter Wettkampfbedingungen mutierte, fehlte es meinem Körper natürlich an Insulin. Ich habe dann vorsichtig Korrektur gespritzt.

Nun zur Abrechnung: der Pöbler, der dann irgendwann nach mir im Ziel entrudelte (gefühlte 20 Minuten später, versteht sich ;)...) musste mich im Zielbereich dann noch mal zusammenfalten. Mhh also mir kam dazu nur noch das Wort "Danke" in den Sinn, schließlich hat er mir zu einer neuen Bestzeit verholfen ;). Na und den Blutzucker hatte ich auch schnell wieder im Griff, so dass ich mich guter Dinge auf den Heimweg machte und mich auf das Festmahl ;) mit meinem Mann freute ;D.

Pfft... "nichts im Leben geschieht halt ohne Grund" :-P (zumindest manchmal ;))

24.08.2014

Electric Run Hannover: OmniPod und Dexcom leuchten mit Knicklichtern um die Wette

Samstag war der Electric Run in Hannover Programm, der auf dem ehemaligen Expo-Gelände stattgefunden hat. Hendrik und ich haben uns vorher mit (Sport-)Freunden getroffen, unter anderem mit dem Bodyforming-Team (elektrisch Muskeln stimulieren ist bei denen ja eh Programm ;)). Wir sind dann gemeinsam mit knapp 3000 Läufern (angeblich, hätte deutlich weniger geschätzt), allesamt mit Neon-Klamotten und Knicklichtern ausgestattet, beim ersten Electric Run in Deutschland an den Start gegangen. Wir durchliefen auf einer fünf Kilometer Strecke (gemessen 4,8 Kilometer ;)) acht Themenwelten und davor und danach wurde zu "elektronischen Beats" gefeiert.

Nun ja: Musik auf der Strecke, DJ und die Gestaltung der Themenwelten enttäuschten doch ein wenig. Ich hatte jedenfalls mehr erwartet, zumal die Startgebühr 30 Euro betrug. Die Musik vor und nach dem Lauf war teilweise ganz gut anzuhören, während des Laufs wurde aber nur kommerzielles, abgenudeltes Zeug aus etwas  bassarmen Lautsprechern abgespielt. Der Wortschatz der "DJs" oder vielmehr "Entertainer" beschränkte sich auf Worte wie "Electric Run Hannover 2014" und "postet eure Fotos auf Facebook mit dem Hashtag #electricrunhannover"... Na ja und bei der Gestaltung der Themenwelten hätte ich ehrlich gesagt auch Aufregenderes erwartet.
Electric Run Hannover 2014: Auch OmniPod und Dexcom leuchten im Neonlicht
Immerhin war im Preis ein cooles T-Shirt mit inbegriffen. Blöd nur, dass mir selbst Größe L noch zu eng war, ich mich darin nicht bewegen konnte (vielleicht habe ich ja auch drei Kleidergrößen zugenommen???) und ich es somit ungetragen in die Altkleidersammlung geben muss. Das dazu passend gesponserte Knicklicht funktionierte auch nicht wirklich, ebenso das Armband, dass bei einigen auf Bewegung reagierte und dann blinkte, bei anderen dauerhaft leuchtete oder auch gar nicht funktionierte. Schade.

Okay, meckern kann jeder, aber wir waren selbst gut ausgestattet, hatten unsere eigenen Knicklichter dabei und haben das beste draus gemacht. Dafür Dank an BeneBeneBeneBene und an das Bodyforming-Team :), ohne euch wäre der Abend wohl eher enttäuschend gewesen. So hatten wir mit Knicklichtbasteleien, Gelaufe, Gelache, Getanze, Bier und Rockstar Energydrink eben doch noch einen richtig coolen Abend.

Der Blutzucker, der OmniPod und das CGMS (Dexcom G4)/FGM

Aber euch interessiert der Blutzucker? Nun ja, ich habe das Ganze natürlich nicht als Laufveranstaltung/Laufwettkampf betrachtet, ganz im Gegenteil, denn bei einem Laufwettkampf, brauche ich aufgrund des Drucks/Adrenalin in meinen Körper oft zusätzliches Insulin (dazu in Kürze mehr). So habe ich statt zusätzlich zu bolen, die temporäre Insulin-Basalrate etwas abgesenkt, da ich normalerweise um diese Zeit eher weniger aktiv bin und keine "5-Kilometer-Spaziergänge" mache, sondern oft schon tief schlummere... (bin eher der Frühaufsteher).

Leider hatte ich die temporäre Basalrate jedoch zu weit abgesenkt. Normalerweise hätte ich davon nicht so schnell Wind bekommen, da man unter Leuten auf Partys meist seltener den Blutzucker misst. Doch das Dexcom hat mich rechtzeitig gewarnt und mit Alarm darauf aufmerksam gemacht, dass mein Blutzucker zu hoch ansteigt. Daraufhin konnte ich sofort reagieren und Insulin-Bolus abgeben, um einen zu hohen Blutzucker "abzuwehren". Das hat auch wunderbar geklappt und ich konnte den Abend/die Nacht "ohne Sorge" genießen. Das hat mir noch einmal deutlich gemacht, dass das CGMS mit seiner Hypo-/Hyper-Alarmfunktion gegenüber dem FGM-System doch einen großen Vorteil hat.

OmniPod und CGMS hatte ich natürlich auch in Neon-Hüllen eingepackt, warum sollte ich sie auch verstecken? Der Diabetes ist nun mal (leider) ein Teil von mir.

So und nun hier noch das Video vom gestrigen Abend (hehe und nicht über den letzten Teil des Videos lachen, man hatte ja schon etwas Bier intus ;)):

21.08.2014

Diabetes-Nostalgie: Ich fordere die Broteinheit (BE) / Kohlenhydrateinheit (KE) zurück!

Verdammt, ich hänge noch an ihr, an der guten, alten Broteinheit (BE). 12 Gramm Kohlenhydrate sind für mich eine BE. Auch heute rechne ich mein Essen noch in BEs um. Es ist mir gleichgültig, ob die BE u. a. auf Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) 2010 aus allen gesetzlichen Regelungen entfernt wurde: Na ja, die Empfehlungen der DGE habe ich sowieso längst satt.

Für mich hat die BE jedenfalls einen nostalgischen Wert. Seit meiner Diabetes-Diagnose im Februar 1997 rechne ich meine Mahlzeiten in Broteinheiten um. Kaum steht das Essen auf dem Tisch, wird gerechnet bzw. geschätzt, wie viele BEs da drin stecken und natürlich die entsprechende Insulindosis dafür gespritzt. Ich persönlich rechne auch Proteine, Fette und sogar das Gemüse mit hohem Wassergehalt (wie etwa Gurke) in BE um – im Gegensatz zu einigen anderen Diabetikern, die bei sich nur unbedeutsame Blutzuckererhöhungen durch den Verzehr dieser Lebensmittel feststellen konnten. Das muss jeder Diabetiker für sich selbst austesten.

Die etwas andere BE-Tabelle/Kohlenhydrattabelle: 100 Gramm Katze = 1 BE ;)

Anfangs, kurz nach meiner Diabetes-Diagnose vor 18 Jahren, habe ich das Essen sogar noch grammgenau ausgewogen und durchgeplant, wann, was, wie viel gegessen wird. Natürlich tue ich das längst nicht mehr, auf mein Gespür ist meistens Verlass, ich schätze wie wohl die meisten anderen Diabetiker auch, in BE oder der "moderneren" Einheit KE. Welche Enheit man nun als Schätzmittel einsetzt ist dabei im Prinzip Jacke wie Hose, wenn man weiß, um wie viel mg/dl der Blutzucker bei Verzehr einer BE/KE ansteigt, um dem Anstieg mit entsprechender Insulindosis entgegenwirken zu können.

Übrigens rechnet auch nicht jeder Diabetiker für eine BE/KE/KHE 12 Gramm Kohlenhydrate, sondern viele rechnen "modern" mit 10 Gramm Kohlenhydraten. Die BE wird auch nicht von allen Diabetikerm als Broteinheit, sondern auch als Berechnungseinheit bezeichnet und die Kohlenhydrateinheit nicht unbedingt als KE sondern gern auch als KHE abgekürzt.

Da man auf aktuellen Lebensmittelverpackungen keine BE-Angaben mehr findet, wird deutlich, warum Diabetiker gute Kopfrechner sein sollten. Ob das Ganze jetzt aber so plausibel ist, was man sich da so intuitiv errechnet, bleibt fraglich, zumal auch auf Lebensmittelverpackungen großzügig gerundet wird. Das kann schon beträchtliche Auswirkungen haben, insbesondere bei den Mengen, die ich mir nach einem Marathon schmecken lasse ;-D.

Dennoch schwöre ich auch weiterhin auf die "Weißbrötchen-Einheit" (WBE), wie die heutige BE einst von Carl von Noorden eingeführt wurde, um die Kohlenhydratmengen besser ermitteln zu können. Eine WBE entsprach übrigens 20 Gramm Semmel und daraus leiteten sich die Kohlenhydrat-Austauschtabellen ab, in denen kohlenhydrathaltige Lebensmittel im Vergleich zu 20 Gramm Semmel zusammengestellt wurden.

In diesem Sinne: fröhliches Weiterrechnen. Auf die gute alte BE, die ich gerne wieder auf modernen Lebensmittelverpackungen sehen würde. Ihr auch?