18.11.2014

FreeStyle Libre: Glukose(kurven) scannen statt Blutzucker messen

Nun habe ich das revolutionäre Diabetes-DING für euch... ähh natürlich egoistisch in erster Linie für mich ;)... fast zwei Wochen lang getragen und dem ein oder anderen Härtetest unterzogen. Und wenn ich sage Härtetest, dann meine ich auch Härtetest. Ich habe mich damit im Dreck gesuhlt, bin durch die wildesten Flüsse gekrault und hab eine Nacht in der Sauna verbracht, um mich dann zwei Tage lang im Eisfach abzukühlen. Na ja okay, nicht ganz, habe eben Dinge getan, die mein OmniPod und mein DexStar auch mit mir durchstehen müssen. Ich mache es meinen Wegbegleitern (Moppi und Miaule eingeschlossen) keineswegs leicht, wie meine Leser auch wissen. 

Von welchem Ding ich nun rede? Na von dem Ding, das derzeit in aller Diabetiker-Munde ist: das FGMS, das FreeStyle Libre von Abbott. Kurz und prägnant, heute die Vorteile und Nachteile im Blick. Bitte bedenkt, ich kann nur aus meiner persönlichen Erfahrung berichten und vorsicht, ich gehe auch auf "Luxusprobleme" ein:

FGM-/Abbott-FreeStyle-Libre-Sensor

 

Vorteile 
  • Das Setzen des Sensors: geht richtig einfach und super schnell von der Hand
  • Der Sensor ist flach wie Flunder, Größe entspricht einem 2-Euro-Stück (kein Vergleich zu Dexcom/Pod). Stoßen/Hängenbleiben? Nö!
  • Sensor muss nicht die ganze Zeit in Nähe des Empfängers sein! Beim CGMS muss er das sehr wohl, sonst kappt die Verbindung und mir liegen keine Werte vor.
  • Um den Messwert abzulesen, muss der Empfänger im 30-40 mm großen Abstand in Nähe des Sensors gehalten werden, klappt auch wenn Klamotten, Fixier-Tape und Co dazwischen liegen.
  • Wasserfest: laut Herstellerseite: 30 Minuten, bis zu einem Meter Wassertiefe, ähm meiner mag Schwimmen und kann deshalb auch länger und tiefer ;).
  • Werkskalibriert: Ein Kalibrieren mit dem Blutzuckerwert ist nicht nötig!
  • Ein Sensor hält 14 Tage und kostet 59 Euro

Nachteile
  • Pflaster hält deutlich schlechter als das des CGMS (Dexcom) oder OmniPods: Nach drei Tagen musste ich den Sensor zusätzlich mit Tape fixieren. 
  • Müll: leider ein zu großer Batzen, wie bei den CGM-Systemen auch.


FGM-/Abbott-FreeStyle-Libre-Sender

Vorteil: Es ist kein Sender erforderlich; das Libre besteht aus zwei Teilen, nicht wie ein CGMS aus drei Komponenten – macht das ganze deutlich günstiger. Der Sender für CGM-Systeme liegt bei 500 Euro und muss in etwa jedes halbe Jahr ausgetauscht/neu gekauft werden.


FGM-/Abbott-FreeStyle-Libre-Empfänger/Glukose-Lesegerät

 

Das FreeStyle Libre beweist sich beim Spinning

Vorteile
  • leicht (eher billiges Plastik)
  • Der Wert des Empfängers/Lesegeräts 59 Euro: Wenn ich 59 Euro verliere ist das weniger schmerzlich als ein CGM-Empfänger für um die 1000 Euro  
  • Touch-Display, farbig mit Hintergrundbeleuchtung (wie modern ;))
  • Speichert das vollständiges Glukoseprofil bis zu drei Monaten
  • "Akku-betrieben". Der Akku hat bei mir knapp 15 Tage (!) gehalten, obwohl ich nicht gerade selten gescannt und mit dem Empfänger "rumgespielt" habe (neues will schließlich probiert werden). 
Nachteile
  • Ich muss den Empfänger erst einschalten, bevor ich scannen kann (auch Luxusprobleme sollen wie anfangs angekündigt hier Erwähnung finden ;))


FGMS: Das Abbott FreeStyle Libre als System betrachtet

 

Vorteile
  • Wenn ich die Werte nicht sehen will, dann scanne ich nicht (einige empfinden das als Nachteil, wenn sie nicht ständig den Glukosewert vor Augen haben, ich hingegen möchte meine Werte nicht 24 Stunden aufgetischt bekommen)
  • Sensor muss sich nicht in Nähe des Empfängers befinden! Beim CGMS muss er das sehr wohl, sonst kappt die Verbindung und mir liegen keine Werte vor. Es entstehen mit dem FGM also keine "Aufzeichnungslücken".
  • Preis ist natürlich relativ, ABER Gesundheit ist unser höchstes Gut und für 59 Euro für den Empfänger und 59 Euro für einen Sensor, der 14 Tage hält, kann man nicht meckern. Im Abo spart mam zusätzlich.  
  • Erste Krankenkassen haben bereits einer Kostenübernahme zugestimmt.

 Nachteile
  • Kein Hypo-/Hyper-Alarm (insbesondere für Kinder wäre das vorteilhaft!)
  • Dosis des Basalinsulins kann nicht gespeichert werden
Neutral zu betrachten ist die Messgenaugkeit: Von einigen habe ich gehört, dass das System sehr ungenau misst, teils Abweichungen von 100 aufweist. Aber an welchen Vergleichswerten machen wir das fest? Misst das Blutzuckermessgerät genau? Ist es mit dem Labor abgeglichen? Misst das Labor genau? Das könnte man jetzt noch weiterspinnen...

Misst das FreeStyle Libre ungenau?

Coole und praktische Funktionen des FreeStyle Libre

  • Ich kann mir den Verlauf in Form eines Protokolls oder Tagesdiagramm ansehen, 
  • ebenso die Durchschnittswerte, das Tagesmuster des Medianwerts (Mittelwert), die Zeit im Zielbereich und außerhalb. Ich kann entsprechende Therapieanpassungen vornehmen. 
  • Ich erfahre wie oft ich gescannt habe, wie lange der Sensor noch hält
  • Zu jeder Messung kann man Ereignisse eintragen, wie etwa "Insulin gespritzt", "Sport getrieben", etc...praktikabel gelöst!
  • Erinnerungsfunktionen ans Scannen. Außerdem ploppt automatisch ein Fenster auf, dass beispielsweise empfohlen wird,  in ein oder zwei Stunden noch mal  den Blutzucker zu messen Glukoswert zu scannen, beispielsweise wenn mein Messwert zu hoch liegt
  • Blutketonbestimmung mit entsprechenden Teststreifen möglich!!! 
  • Ich kann das Libre als Blutzuckermessgerät nutzen, unabhängig davon ob ich einen Sensor trage oder nicht
  • Rechner für schnellwirkendes Insulin (allerdings ist diese Funktion nicht für Sensorglukosewerte verfügbar, sondern  nur  für Blutzuckermessungen). Eigentlich eine Funktion, die nur Fachpersonal zur Verfügung steht... Doch wer den Code kennt, erfährt darüber beispielsweise wie viel geschätztes Insulin im Körper (in Prozent) noch aktiv wirkt.

Mein Fazit? Alles hat so seine Vor-und Nachteile ;). Beim FGMS sehe ich die Vorteile gegenüber eines CGMS vor allem im Preis, der schnellen Handhabung, des flachen, leichten Sensors, der ohne Sender auskommt, das mir wiederholtes Blutzucker-Kalibrieren erspart bleibt (dass ich mir im Prinzip gar nicht mehr in den Finger stechen muss) und, dass ich den Empfänger/das Lesegerät nicht ständig in Nähe des Sensors tragen muss. Dass die Glukosewerte nicht permanent wie bei einem CGMS auf dem Display des Empfängers dargestellt werden, was einige Diabetiker als Nachteil des FreeStyle Libre ansehen, kommt mir ganz gelegen. Wenn ich meinen Glukosewert wissen will, dann scanne ich, dauerhaft möchte ich ihn gar nicht vor Augen geführt bekommen. Kann zur "Überreaktion" führen, "Panik" und damit verbundene falsche Handlung auslösen.

Schade ist, dass die Alarmfunktion bei androhenden zu hohen (Hyperglykämie) und zu niedrigen Blutzucker-/Glukoswerten (Hypoglykämie) beim FGM fehlt. Ich denke darin liegt u. a. auch der günstigere Preis begründet. Insbesondere in hektischen Situationen oder bei sportlichen Wettkämpfen ist diese Funktion jedoch sehr gewinnbringend. Bei Marathons/sportlichen Wettkämpfen bevorzuge ich definitiv das CGMS und auch Eltern, deren Kinder Diabetes haben, würde ich eher zum CGMS raten, wenn finanzierbar. Wünschenswert wäre auch noch die Möglichkeit der Kopplung/Anbindung an eine Insulinpumpe. Aber okay... Wir sind hier nicht bei "Wünsch dir was!", sondern bei "So isses".

In jedem Fall, sehe ich CGMS und FGMS als revolutionäre Messmethoden an und verspreche mir davon, dass der Trend der Medizintechnik nun endlich weg von einzelnen punktuellen Blutzuckerwerten, hin zu Glukosekurven geht, die Diabetiker schnellere und clevere Korrekturen ermöglichen und ihre Therapie DEUTLICH optimieren lassen! Dumm wäre jetzt natürlich, wenn die Krankenkassen FGMs für Diabetiker nicht erstatten würden. Aber Versicherer sind ja gute Mathematiker und sollten auch den gesundheitlichen Nutzen für Diabetiker begreifen ;). Also bleiben wir optimistisch!

14.11.2014

Diabetes-Revolutionäre für Diabetes-Adé-Party gesucht


dbw
Das Team der Diabetes-Blog-Woche hat alle Diabetes- Blogger dazu aufgerufen, dem Entdecker des Insulins heute am Welt-Diabetes-Tag einen Brief zu schreiben. Frederick Bantings Postfach wird vermutlich heute überlaufen, es sind mittlerweile nämlich so einige Diabetiker als Blogger unterwegs, die sich sicherlich auch nicht nehmen lassen, dem Sir Frederick zu sagen, wie dankbar sie ihm für seine Forschungsarbeiten sind. Sicherlich wird er auch viele Liebesbriefe erhalten.

Neue, moderne Medizingerätschaften wie Insulinpumpen und Blutzuckermesssysteme hin oder her, ohne Insulin geht bei Typ-1-Diabetiker (wenn nicht mehr in Remissionsphase) mal gar nichts. Somit sind und bleiben Frederick Banting und (nicht zu vergessen) auch Charles Best als Entdecker des Insulins DIE Helden aller Diabetiker, zumindest so lange bis, jemandem mit der HEILUNG des Diabetes der nächste Durchbruch gelingt. Dann hätten wir einen neuen Helden/Diabetes-Revolutionär zu feiern und zwar dann richtig FETT. Dann gäbe es eine Diabetes-Adé-Party. Na, ist das nicht Anreiz genug, liebe Medizinforscher? Gebt Gas ;)!

Mein (Liebes-)Brief an Frederick Banting 

(hier liebe Medizinforscher, könnte auch dein/euer Name stehen ;))

Lieber Frederick Banting,

deiner Vita ist zu entnehmen, dass du zunächst Theologie studiert und dann das Fach gewechselt hast. Darüber bin (nicht nur) ich sehr erfreut. Medizin war für dich die bessere Wahl, ohne Zweifel. Du hast dich schon früh für Diabetes interessiert. Das kann ich verstehen, ist ja auch eine SEHR spannende Krankheit. Na ja... wenn man sie nicht selbst an der Backe hat oder gerade deshalb? Vermutlich war der Tod deines Freundes aufgrund von Diabetes der Auslöser für dein großes Interesse an der Krankheit? Wie dem auch sei, trotz Abbruch deines Theologie-Studium bist du für mich ein "Heiliger", versteht sich, denn wer weiß, wann, wer das Insulin sonst entdeckt hätte und wie viele Menschen noch an der Krankheit gestorben wären. Das ominöse Hormon war bereits seit ein paar Jahrzehnten ein ungelöstes Rätsel der Forschung! Doch du hast es dann gemeinsam im Team mit Charles Best gelöst. Auch John Macleod und James Collip waren nicht ganz unbeteiligt, richtig? Holla die Waldfee: Euch gelang damit der Durchbruch in der Erforschung des lebenswichtigen Hormons Insulin! Bis dato war es keinem Forscher gelungen, Insulin aus der Bauchspeicheldrüse zu isolieren.

Auch wenn mir Kreativität nachgesagt wird, auf die Idee, ein Extrakt aus Bauchspeicheldrüsen von Kalbsembryonen aus dem Schlachthaus herzustellen, wäre ich vermutlich nie gekommen, geschweige denn, es einem Hund zu injizieren. Obwohl, ich hatte ja schon mal drüber nachgedacht, Miaule und so... Nee, Spaß bei Seite. Der Chemiker James Collip hatte dann das Extrakt gereinigt, da das enthaltene Fremdeiweiß Probleme bereitete, da es giftig war? Und dann konnte im Januar 1922 erstmals ein Diabetiker mit dem Insulin behandelt werden, richtig? Ich muss mich ja auf die Internetquellen beziehen, die sich leider auch etwas widersprechen. Schade, dass du uns die wahre, ausführliche Geschichte nicht selbst erzählen kannst.

Nicht lachen Sir Frederick Banting ;), das Teil
ist eine so genannte Insulinpumpe zum Aufkleben ;)
Schon beachtlich, dass der zum damaligen Zeitpunkt fünfjährige Diabetes-Patient, dem Dank dir als erster Diabetiker Insulin injiziiert werden konnte, 76 Jahre alt wurde und zwar mit 70 Jahren Diabetes-Dauer auf dem Buckel! DANKE Frederick Banting, dass du Tag und Nacht mit so viel Ehrgeiz für unsereins geforscht hast! Und auch noch lange weiter nach eurem bahnbrechenden Erfolg. Schade, dass du so früh sterben musstest. Das Charles Best im hohen Alter selbst Diabetes bekam ist schon irgendwie ein "nachdenklich stimmender Zufall". All das hast du ja nicht mehr miterlebt.

Wenn du wüsstest, dass seit 1980 das Insulin nicht mehr aus den Bauchspeicheldrüsen von Rindern gewonnen, sondern (als erstes Medikament überhaupt) mithilfe gentechnisch veränderter Bakterien hergestellt wird oder, dass es seit 1996 (das war ein Jahr vor meiner eigenen Diabetes-Diagnose) schnellwirkende Insulinanaloga gibt... Ha, oder wenn du uns Diabetiker heute erst mit unseren ganzen Medizingeräten sehen würdest: mit Insulinpumpen am Gürtel oder gar aufgeklebten Pods, CGM-Systemen und ganz brandneu mit FGM-Systemen. Aber all das ist keine "echte" Revolution, die hast du damals ausgelöst, mal sehen, wann die nächste große folgt. Wir warten drauf.

Die Medizin-Gerätschaften erleichtern uns die Therapien natürlich ungemein und das ist auch nicht zu verkennen, ABER der Diabetes-Held und -Revolutionär bist und bleibst du. Und genau deswegen feiern wir in diesem wie in jedem Jahr am 14.11., also heute, alle gemeinsam den Welt-Diabetes-Tag, deinen Geburtstag, um auf die Krankheit Diabetes mellitus aufmerksam zu machen. Auf geht's zur "Insulinparty"... LET'S ROCK IT!!! Wir stoßen auf dich an!
Welt-Diabetes-Tag: Insulin-Party ;), let's rock it!

10.11.2014

Erzieht den Diabetes mit Unterstützung der mySugr Academy zum Schmusemonster

Ist dein Diabetes auch ein Schmusemonster? Nein? Dann wollen wir ihn mal monstermäßig erziehen. Wir Diabetiker wünschen uns wohl alle einen lieben Diabetes, einen friedlichen Wegbegleiter, so'n kleines Schmusemonster ;), wie unsere Katze Miaule. Am liebsten wollen wir natürlich Diabetes-monsterfrei leben, aber vor diese Wahl wurden wir nun mal gar nicht erst gestellt: Das Diabetes-Monster kam, nistete sich ein und treibt seitdem seinen Unfug in und mit uns. Für ein bisschen Schabernack sind wir ja alle zu haben, aber zu weit treiben darf es das Diabetes-Monster nicht, sonst wird's richtig "ungemütlich"... für uns. Es gibt nur eine Lösung: Zeig deinem Diabetes-Monster, dass es selbst auch nicht mehr viel zu lachen hat, wenn es sich nicht benehmen kann. Das Monster braucht eine gute Erziehung durch sein Frauchen/Herrchen. Allein mit Ignoranz kommt man da leider nicht viel weiter. Das ist wie bei unserer Miaule: Wenn wir sie ignorieren, dann weiß sie sich zu helfen, kennt die Tricks, wie sie unsere Aufmerksamkeit doch noch erhaschen kann, nämlich mit viel Schabernack.

Ab sofort bekommt ihr Unterstützung: Der Hundeprofi ;) Die innovative Zuckertruppe von mySugr will Diabetikern mit der Lernplattform mySugr Academy bei der Erziehung des Diabetes-Monsters unter die Arme greifen. Die Academy ist als Lern-Plattform zu verstehen, auf der Schulungskurse für Diabetiker angeboten werden. Sie geht weg von veralteten und verstaubten Schulungsinhalten, hin zu zeit- und ortsunabhängigen fröhlich, frischen, motivierenden Schulungskursen. Neu diagnostizierten Typ-2 Diabetikern soll damit die Angst vor der Zukunft mit Diabetes genommen werden.

Es wurde von Diabetikern, Medizinern und Ernährungsberatern entwickelt und gibt Antworten auf alle Fragen, die sich mit dem Schock der Diagnose ergeben: Muss ich Insulin spritzen, Tabletten nehmen, mich anders ernähren und täglich Sport treiben? Alle Schulungsinhalte werden ganz ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit unterhaltsamen Videos und spielerischen Elementen  auf freundlich-freche Weise vermittelt: http://mysugr.com/de/academy

Die Academy ist als Ergänzung der bisherigen Schulungsangebote für Diabetiker zu verstehen. Mit der österreichischen Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) konnte sogar eine erste Krankenkasse gewonnen werden, die für ihre Mitglieder die Kosten für die mySugr Academy übernimmt. Auch in Deutschland werden bereits Gespräche über eine Zusammenarbeit mit Krankenkassen geführt.

Schaut euch dazu auch den folgenden Teaser an, macht Laune, oder?


mySugr Academy - Zähme dein Diabetes-Monster! from mySugr on Vimeo.

04.11.2014

Unser Tag: Aktionen am Welt-Diabetes-Tag

Der Welt-Diabetes-Tag ist neben dem Welt-AIDS-Tag der zweite offizielle Tag der UN, der einer Krankheit gewidmet ist. Jedes Jahr am 14. November steht die Erkrankung Diabetes mellitus im Mittelpunkt (zugegeben bei mir fast jeden Tag ;)). Warum der 14. November?

Der 14. November ist der Geburtstag von Frederick Banting, er ist der Entdecker (um nicht zu sagen "Erfinder" ;)) des Insulins. In vielen Ländern wird der Welt-Diabetes-Tag richtig cool zelebriert, Gebäude und Monumente erstrahlen blau. In Deutschland beispielsweise das Brandenburger Tor (Berlin) und das Holstentor in Lübeck. Ich schau's mir an, seid ihr auch dabei? Falls ja, wann und wo? Hier findet ihr das Programm, alle Aktionen, die am 14. November geplant sind: Welt-Diabetes-Tag.de 

Auch Miaule erstrahlt blau am Welt-Diabetes-Tag

Versteht sich wohl auch schon fast von selbst, dass ich als Diabetes-Bloggerin auch meinen Teil in Form eines Online-Beitrags zum WDT beitragen möchte, um auf diesen Tag aufmerksam zu machen. Das Team der Diabetes-Blog-Woche hat etwas ausgeheckt: Sie forden alle Blogger auf, einen Beitrag zu schreiben, genaugenommen einen Brief an Sir Frederick Banting. Coole Aktion, da  sind wir dabei, oder? Na sicher datt. Schade nur, dass Frederick Banting unsere Briefe nicht mehr erreichen werden, er sollte doch wissen, wie dankbar wir ihm sind und wie das Leben eines Diabetikers heute aussieht. Den würde das doch vom Hocker hauen. Ich bin gespannt auf eure Briefe/Aktionen rund um den Welt-Diabetes-Tag.


dbw

01.11.2014

Zu Halloween lehrt das FreeStyle Libre Blutzuckerteststreifen das Fürchten

In aller Diabetiker-Munde ist wohl derzeit das Glukose Messsystem FreeStyle Libre® von Abbott. Auch gestern im Wartezimmer im Diabetes Zentrum Hannover Nord war es das Gesprächsthema Nummer 1. Überall wo man seine Ohren hatte, hörte man: "Kennst du schon das FGM, das FreeStyle Libre?" und "Ist das wirklich so toll?".

Gerade vorgestern hat ja der Onlineshop von Abbott "eröffnet", über den man das FGM beziehen kann. Hinweis: NEIN ES IST NICHT BEI MIR BESTELLBAR... Ich habe bereits einige (Bestell-)Mails von Lesern erhalten ;-D. Diese Internetseite hier ist allerdings kein (Pharma-)Unternehmen ;), sondern ein, kleiner, feiner, privater Blog, in dem kein Geld fließt, aber ganz viel "Liebe" drinsteckt.

Jedenfalls kam auch ich gestern im Wartezimmer meines Diabetologen mit einem Typ-1-Diabetiker über das Libre ins Gespräch...

  • "Steff? Schreibst du diesen Diabetes-Blog 'www.diabetes-leben.com'?"
  • "Huch... Ja genau, den 'schreibe' ich, ja ;)."

Hab mich natürlich tierisch gefreut, dass mich besagter Typ-1-Diabetiker als Diabetes-Bloggerin erkannte und direkt ansprach. Und wie das dann halt so ist, sind wir ins "klischeehafte";) Diabetes-Gespräch eingestiegen:

  • "Wie lange hast du schon Diabetes?"
  • "Hast du eine Insulinpumpe oder spritzt du mit Pen?"
  • "Welche Insulinpumpe trägst du und kannst du diese empfehlen"?
  • "Welches Blutzuckermessgerät nutzt du?"

Bli bla blubb ;-P. Diabetiker unter sich, halt, hehe. Schon bald kam auch sie auf, DIE Frage, die zur Zeit voll angesagt ist: "Hast du schon das Freestyle Libre von Abbott getestet, bist du begeistert und bestellst du es dir?" Ja ja ja... und ja ja ja habe ich schon bestellt. Hoffentlich kommt es bald an Land ;).

Eine kleine Diabetes-Revolution? Das FreeStyle Libre von Abbott (FGM)
Sicher ist mein Dexcom (DexStar) derzeit noch meine Nummer eins, ABER das FGM ist wohl, wie bereits drüber berichtet, die günstigere "Alternative" für ALLE Diabetiker. Mhh, Stopp, für Kinder NOCH nicht zugelassen, naja okay... ähm ja. Verstehe die Bedenken nicht. Mehr sag ich lieber nicht dazu. Sorry, aber ich würde es meinem Kind kaufen.

Nachdem ich dann ins Sprechzimmer von meiner Ärztin aufgerufen wurde, ging die Diskussion mit ihr weiter: Wird sich FGM etablieren? Ist das eine kleine "Diabetes-Revolution"? Ich bin mir sicher, das dem so ist. Genauso, wie ich mir ziemlich sicher bin, dass die Krankenkassen auch die Sensoren künftig zahlen werden. Denn im Verhältnis ist es deutlich kostengünstiger als Teststreifen (wir haben das in der Praxis durchgerechnet)! Und auch als "CGMS Light" macht es sich gut. Wer nämlich auf die Alarmfunktion und die permanente Anzeige des Blutzuckerwerts auf dem Display verzichten kann (beides echten CGMS vorbehalten), bekommt für weniger als 10% des CGMS-Preises eine äußerst günstige Alternative geboten. Preisverfall ick hör dir trapsen ;).
Die Schlüsselmerkmale von FreeStyle Libre® im Überblick:  
  • Das System erfordert keine Kalibrierung durch Fingerstechen
  • Der wasserdichte Einweg-Sensor kann bis zu 14 Tage an der Rückseite des Oberarms getragen werden
  • Mit einem schnellen Scan kann das Ablesen der Glukose-Messwerte so oft wie nötig oder gewünscht erfolgen
  • Jeder Scan zeigt den aktuellen Glukosewert an, einen 8-Stunden-Verlauf und die Richtung, in die sich der Glukosewert bewegt
  • Die vom System erzeugten Daten bilden die Basis, um nützliche Trends und Muster abzuleiten. Auf dieser Grundlage können Menschen mit Diabetes notwendige Änderungen in ihrer Ernährung und anderen Verhaltensweisen erkennen, um ihren Diabetes in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Diabetes-Team besser  zu behandeln
FreeStyle Libre® ist unter www.FreeStyleLibre.de bestellbar und unter der Hotline 008000 2255 232 UND NICHT BEI MIR ;-D. 

26.10.2014

Jeder Mensch is(s)t anders

Das schmeckt mir! Spezialfutter für kastrierte Katzen... Muss
es ja auch geben ;).
Jeder hat seine eigene Vorstellung von der richtigen Ernährung:

  • Ich bin Vegetarier.
  • ich Pescetarier (das sind Fischhasser ;): alle Tiere außer Fisch werden NICHT verzehrt)
  • ich Veganer. 
  • Ich bin Frutarier/Frutaner.
  • Also ich esse nur Low-Carb.
  • Besser ist doch die "Steinzeitkost" Paleo!
  • Nee, nee, nee, die kommt mir nicht ins Haus: "High carb, low fat!"
  • ...


Na ja und ich bin halt Diabetiker, knallharter Diätiker ;-P! 

Die bessere Ernährungsweise


Ernsthaft, Ratschläge in Sachen Ernährung sind manchmal schon sehr ulkig, jeder kennt sie: die bessere Ernährungsweise. Ich habe mit einem "Ernährungscoach" geschrieben, der meinte, mir seine Ernährungsweise aufs Brot schmieren zu müssen. Weiterhin könne er bei Interesse meinen genauen Mikronährstoffbedarf bestimmen. Ähm ja und natürlich ohne überhaupt mein Fitnesslevel, meine körperlichen/psychischen Belastungen, meinen Stresspegel, meine Krankheiten und Medikamenteneinnahme zu kennen. Abgesehen von meinem Geschlecht und meinem ungefährem Alter wusste er so gut wie gar nichts über mich. Als ich ihn über meinen Diabetes informierte, war seine Antwort, dass ich bei seiner empfohlenen Ernährungsweise sicher künftig KEIN Insulin mehr benötigen würde. Lustig, lustig, tralalalalaaaa... Sorry, aber hier hört der Spaß auf! 


Wo gibt es heutzutage noch LEBENsmittel?


Wuaaah... Ernährungstipps sind ein heikles Thema. Da ist eh einer schlauer als der andere und niemand weiß es wirklich besser. Ganz ehrlich, ich weiß nicht mal mehr, wo ich noch LEBENsmittel (Leben?) kaufen gehen kann/soll/möchte. Im Supermarkt jedenfalls nicht. Neben in Folie verschweißten Gurken, Paprika und Eisbergsalat-Köpfen, die aus Timbuktu importiert wurden, finde ich Salatsoßen mit Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffen, deren Zutaten Otto-Normal-Verbraucher nicht mal aussprechen kann/mag. Überall ist Gluten und Laktose drin oder sonstiges "komisches Zeugs", dass ich aufgrund meiner Magen-/Darm-Beschwerden ja laut meines Arztes erst mal unbedingt vermeiden solle. Gluten Appetit!


Die Nimm-5-Regel


Einst hatte ich mir mal die Nimm-5-Regel auferlegt. Bedeutet: hat ein Lebensmittel mehr als 5 Inhaltsstoffe auf der Verpackung unter "Zutaten" deklariert, bleibt es im Regal stehen. Tja, nur leider sind die wenigsten Lebensmittel mit nur 5 Inhaltsstoffen ausgestattet. Dann hatte ich mir überlegt, dass ich am besten nur die Lebensmittel esse, deren in der Zutatenliste deklarierten Inhaltsstoffe ich alle kenne (auf Anhieb entschlüsseln kann) und auch essen mag. Ähm ja, Hungerstreik war nicht geplant. Was weniger (aber sicher auch) daran lag, dass ich die Chemie nicht beherrsche, sondern viel mehr daran, dass man die entschlüsselten Zutaten EIGENTLICH nicht essen mag. Dennoch stehen aber Ausscheidungen von Läusen in E-Nummern ummantelt bei uns auf dem Speiseplan.


Frisch vom Markt und nur mit Siegel?


Marsmensch auf UFO? Pastinake auf Kürbis? Weißt du,
was du isst?
So, dann gehe ich eben nur noch "Frisches" auf dem Markt/am Gemüsestand einkaufen, immerhin gibt es die Läuse dann in nicht-ummantelt ;). Na und anderen Klimmbimm bekomme ich auch im Reformhaus/Biomarkt. Tja, nur leider gesellt sich ein Gemüsestand auch mal direkt neben der am meist befahrenen Hauptstraße Hannovers. Lecker Abgas-Gemüse.

Auch weiß ich nicht, wie es um Bodenbeschaffenheit, Düngung, Wettereinflüsse, Erntezeit und Lagerdauer steht. Na ja und im Reformhaus schaue ich auf die Zutaten und die Siegel der Produkte. Doch kann ich mich darauf wirklich verlassen? Ich weiß es nicht. Obwohl die hohen Preise sollten doch eigentlich Garantie dafür geben.

In jedem Fall weiß wohl keiner was er isst, sei es nun die Mohrrübe, das Salatdressing oder die Tafel Schokolade... und noch weniger, was die bessere Wahl war.

Denn während manch einer sein Leben lang auf  "gesunde Ernährungsweise" pfeift und trotzdem nur so vor Gesundheit und Fitness strotzt, leiden andere Menschen unter gesundheitlichen Einschränkungen, obwohl sie Jahre lang auf alle Essenssünden verzichtet haben.

Du bist, was du isst. Doch woher soll ich wissen wer ich bin, wenn ich nicht weiß, was ich esse?

22.10.2014

Ich bin 3-4 Personen: Das Very-Mmmh-Low-Carb-Kokosbrot

Schnell, schnell, schnell, schnell noch ein Foto... sonst ist's komplett aufgeputzt. Ich muss hier etwas posten, das wohl leckerste Rezept der Welt: Kokosbrot!!! Very Mmmmh und very simple! Ich habe beim Backen, bzw. beim Verzehr leider nur feststellen müssen, dass ich drei bis vier Personen bin :/. Verdammt, es schmeckt halt so gut. Ich kann euch dieses Rezept auf keinen Fall vorenthalten.

Chia-Samen: da steckt ne Menge Power drin!
Für alle Low-Carb- (scheint ja wieder mal oder immer noch (?) in Mode zu sein ;)) und Kokos-Fans ist dieses Rezept ein absolutes MUSS! Krass schnelle Bluzuckerwertanstiege bleiben euch damit also auch noch erspart. Aber fragt jetzt bitte nicht, wie viel BE das Brot hat. Einige Diabetiker (wie ich) berechnen Eiweiß (und Fett), die anderen ein wenig, die anderen so gut wie gar nicht. Also austesten! Ach und über Kalorien spricht man ja wohl nicht! Das NERVT! Und noch was: Veganer können die Eier auch durch Sojamehl+Öl und Wasser und den Quark durch Sojaquark ersetzen. Schmeckt auch bestens! Very mmmh auch ergänzend mit zwei/drei Esslöffeln Chia-Samen (da steckt ne Menge Power drin). Njammsen.

Hier habt ihr das Rezept... Und bitte sagt mir hinterher, dass ihr auch 3-4 Personen seid, sonst muss ich mir doch noch Sorgen machen:

Das Very-Mmmh-Low-Carb-Kokosbrot 

für 3-4 Portionen  eine Person ;/

  • 3 Eier
  • 250 Gramm Quark
  • 100 Gramm Kokoschips/Kokosflocken (oder sonstige Nüsse)
  • 100 Gramm gemahlene Mandeln
  • 0,75 Päckchen (Weinstein-) Backpulver
  • Gewürze, Zucker nach Geschmack
Backzeit ungefähr 35-40 Minuten bei 180 Grad Umluft

Es schmeckt besser als es aussieht ;): Das Very-Mmmh-Low-Carb-Kokosbrot

19.10.2014

Insas "Muko-Diabetes" Typ 3c (CFTR)

Heute hier im Diabetes-Blog: Gastbeitrag von Insa. Sie schildert ihr Leben mit Mukoviszidose und Diabetes Typ 3c (CFTR), warum es beispielsweise für sie eine Erleichterung war, Insulin spritzen zu können und... ach lest doch selbst ;-P. Finde es ist super spannend, zu erfahren, wie sich so'n Typ 3c im Vergleich zum Typ 1 aufführt und vor allem, wie Insa ihren "Mitbewohner" sieht! DANKE für die offenen Worte, Insa!

Hallo! Mein Name ist Insa und ich betreibe mit Miriam, einer sehr guten Freundin, den Blog "Mukomania". Heute darf ich nun als Gastblogger für Diabetes-leben schreiben, während sich Steff auf unserer Seite versucht. Miriam und ich haben Mukoviszidose – inzwischen sind wir beide lungentransplantiert, ich vor ca. sieben Monaten. Mukoviszidose ist eine nicht heilbare Erbkrankheit, die hauptsächlich die Lunge, die Bauchspeicheldrüse oder auch die Leber betrifft. Ganz einfach formuliert funktioniert bei uns in den Zellen der Salz-Wasser-Transport nicht richtig. Dies führt dazu, dass die Organe durch einen zähen Schleim verkleben und die Funktion dadurch mehr und mehr eingeschränkt wird. Bei der Lunge bedeutet dies: viel Husten, schlecht Luft bekommen, irgendwann Sauerstoff und früher oder später steht dann die Frage nach einer Listung für eine Lungentransplantation im Raum. Bei der Bauchspeicheldrüse ist zuerst die Produktion von Enzymen eingeschränkt, so dass die Verdauung nicht richtig funktioniert. Das bedeutet: Zu jedem Essen müssen Enzym-Kapseln genommen werden. Und irgendwann kommt dann auch der Diabetes dazu, weil nicht mehr genug Insulin abgegeben werden kann.
Zweimal die Woche hatte ich Krankengymnastik - u. a. zur
Lockerung und Dehnung des Brustkorbs, damit der Oberkörper noch seine
minimale Flexibilität erhält und die OP gut übersteht. Foto: www.joanna.nottebrock.de
Mukoviszidose-Lauf (der von mir organisiert wird) 2014: Während ich 2013 nur am Rand sitzen konnte, war ich diesmal mittendrin und habe zusammen mit einigen Läufern eine Ehrenrunde gedreht. Steff war natürlich auch dabei. Foto: www.joanna.nottebrock.de
Auch wenn man weiß, wohin die Reise geht und man weiß, dass irgendwann Diabetes diagnostiziert wird, ist die endgültige Diagnose natürlich ein Schock. Man hofft doch immer, dass solche Nackenschläge erst irgendwann in der Zukunft einschlagen mögen. Allerdings war ich damals in gewisser Weise auch froh (ich weiß das hört sich jetzt seltsam an). Der Glucosetoleranztest, war schon sein ein paar Jahren nicht mehr in der Norm – der HbA1c aber schon. Dementsprechend versucht man über die Ernährung die Lage stabil zu halten. Was natürlich nicht so einfach ist, da man sich als Muko-Patient grundsätzlich hochkalorisch ernähren soll... Da war es dann schon eine Erleichterung, als ich Insulin spritzen konnte und ich essenstechnisch nicht mehr auf so viele Sachen achten musste.

Spaziergang mit meinem Mann: das drei Kilo
schwere Sauerstoffgerät immer mit dabei.
Bildquelle: www.joanna.nottebrock.de
Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die wahrscheinlich jeder hat, wenn er zum ersten Mal die BEs errechnen und spritzen muss, lief der Diabetes eigentlich immer relativ problemlos mit. Schwieriger wird es meistens dann, wenn man das Antibiotikum wechseln muss (unsereins bekommt eine Dauer-Antibiose, um die Keime in der Lunge in Schach zu halten) oder bei Erhöhungen vom Kortison (bei vielen bei fortgeschrittener Krankheit auch Dauergabe) oder wenn der regelmäßige zweiwöchige Krankenhausaufenthalt anstand (denn im Krankenhaus hat man nur sehr wenig Bewegung und sitzt oder liegt oft nur rum). Miriam pflegt dazu zu sagen: wir haben tausend Baustellen im Körper, das was zuerst laut "hier" schreit, wird beachtet. So einfach ist das. Und Diabetes war glücklicherweise immer ein leiser Mitbewohner.

Seit ich von meinem Diabetologen eingestellt wurde ist es so, dass ich Berlinsulin zu den Mahlzeiten spritze und Berlinsulin Basal zur Nacht (16 Einheiten). Das sind, wie ich von Steff erfahren habe, wohl eher wenig Einheiten, was daran liegt, dass meine Bauchspeicheldrüse noch eigenes Insulin produziert – und einige Teile davon auch noch abgegeben werden. Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich weniger Insulin nach der Transplantation brauche, weil ich mich jetzt viel mehr bewege und unterwegs bin. Dem ist aber nicht so. Allerdings verteilen sich die Einheiten jetzt anders über den Tag. Vor der Transplantation brauchte ich morgens sehr wenig Insulin (4 Einheiten) und abends viel (8 Einheiten) – nach der Transplantation ist es genau anders herum. Warum auch immer.

Ich spritze mit Pen (keine Pumpe) und zugegebenermaßen kenne ich auch keinen Muko, der eine Pumpe besitzt. Meistens kommt der Diabetes ja erst im Erwachsenenalter dazu. Blutzuckerwerte von 300 bis 400 kommen durchaus mal vor – allerdings merke ich davon überhaupt nichts. Hypos bemerke ich recht schnell und kann gegensteuern. Natürlich erlebt man mit dem Muko-Diabetes auch einige Highlights. Da dieser spezielle Diabetes Typ 3c doch eher unbekannt ist, haben wir schon in diversen Praxen bei Ärzten gesessen, die uns erklärt haben, dass es diesen speziellen Typ nicht gibt. "Ja, aber...." Manchmal hilft in diesen Fällen der Hinweis auf die zweite Bezeichnung - cystic fibrosis related diabetes, CFRD. Aber oft kommt man auch damit nicht weiter – und dann wird's anstrengend...

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich ein durch und durch pragmatischer Typ bin. Ein Auto soll fahren und mich von A nach B bringen (die Farbe ist mir dabei egal); mein Blutzuckermessgerät soll den Blutzucker messen (egal wer nun der Hersteller ist); mein Asthmamonitor soll meine Lungenfunktion messen. Fertig.
Mit Steff beim entspannten Kaffee-Schnack (nach der Lungentransplantation)
Mukoviszidose ist eine Krankheit mit niedriger Lebenserwartung. Als ich noch klein war, hieß es, dass ich wahrscheinlich nicht älter als 12 oder 15 Jahre werden würde. Aber in den letzten Jahrzehnten haben sich die medizinische Versorgung und die Therapie immer weiter verbessert, so dass heute viele Betroffene das Erwachsenenalter erreichen und, so wie ich, verheiratet sind. Man kann sagen, dass so etwas wie Normalität in kleinen Bereichen durchaus möglich ist. Das Leben mit Mukoviszidose hat mich in vielen Bereichen stark geprägt. Es ist ganz klar so,  dass ich bestimmte Sachen anders gewichte. Man muss versuchen auch in schwierigen Zeiten noch die schönen Momente wahrzunehmen. Und am allerwichtigsten war es für mich immer, mich nicht über die Krankheit zu definieren und auch noch ein Leben neben der Mukoviszidose und der ganzen Therapie zu führen.  Es ist und war nie einfach – aber das ist es doch nie, oder?

Wer noch mehr über mich wissen will: In der Chrismon (STEFF SAGT: UNBEDINGT LESEN) gab es im November 2013 einen Artikel über mein Leben auf der Warteliste. Und wer noch mehr Fotos aus dieser Zeit sehen will, die gibt es bei Joanna.Nottebrock zu sehen, die mich in den letzten Jahren fotografisch begleitet hat.